COVID-19-Verlauf bei primären systemischen Vaskulitiden und Polymyalgia rheumatica

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Bei Patientinnen und Patienten mit primären systemischen Vaskulitiden oder Polymyalgia rheumatica (PMR) sind demografische Faktoren wie Alter und Geschlecht, aber auch Komorbiditäten, die Behandlung mit Glukokortikoiden und die Aktivität der Grunderkrankung ausschlaggebend dafür, ob es im Falle einer SARS-CoV-2-Infektion zu einem schweren Verlauf kommt. Das hat eine Auswertung von Registerdaten der COVID-19 Global Rheumatology Alliance ergeben [1].

Einer retrospektiven Kohortenstudie [1] zufolge haben Patientinnen und Patienten mit primären systemischen Vaskulitiden ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf. Ausgewertet wurden Daten von 1202 erwachsenen Patientinnen und Patienten, die in der Zeit vom 12.03.2020-12.04.2021 wegen einer COVID-19-Diagnose in das COVID-19 Global Rheumatology Alliance-Register aufgenommen wurden. 61% waren weiblich, das mittlere Alter lag bei 63,8 Jahren. Rund 31% hatten eine PMR, 29% eine ANCA-assoziierte Vaskulitis (AAV), 15% eine Riesenzellarteriitis (RZA), 9% einen Morbus Behçet und 15% andere primäre systemische Vaskulitiden. Daten zum klinischen Outcome lagen für 85% der registrierten Patientinnen und Patienten vor. So konnte die Hälfte ambulant behandelt werden. 11% kamen ins Krankenhaus, benötigten aber keinen Sauerstoff, 23% wurden hospitalisiert und wurden beatmet oder mit Sauerstoff versorgt. 15% starben.

Das Risiko für ein schlechteres COVID-19-Outcome erhöhte sich mit jeder zusätzlichen Lebensdekade um 44%, bei männlichem Geschlecht um 38% und mit jeder Begleiterkrankung um 39%. Bei Einnahme von mehr als 10 mg Prednisolon am Tag verschlechterte sich die Prognose um 114% und bei einer mindestens moderaten Krankheitsaktivität um 112%. Je nach Grunderkrankung kamen unterschiedliche Risikofaktoren zum Tragen. Diese waren bei RZA Alter und Adipositas, bei AAV Alter, Krankheitsaktivität und eine Behandlung mit Cyclophosphamid oder Rituximab, und bei einer PMR nur das Alter. 

Von den Patientinnen und Patienten mit AAV wurden fast zwei Drittel ins Krankenhaus eingewiesen, und etwa ein Fünftel starb. Die Daten sollten laut den Autoren mit Vorsicht betrachtet werden, da die Arzt-basierte Registrierung ein Bias hin zu eher schweren COVID-19-Fällen vermuten lässt. Zudem verliefen in der frühen Phase der Pandemie COVID-19-Erkrankungen insgesamt noch schlechter. Menschen mit AAV und chronischer Nierenerkrankung, einer häufigen Komplikation der Grunderkrankung, hatten öfter einen schweren Verlauf der Virusinfektion.

Das schlechte Outcome bei Menschen mit RZA – 36% kamen in die Klinik, 20% starben – dürfte vor allem dem meist hohen Alter dieser Gruppe zuzuschreiben sein. Dass Erkrankte mit PMR trotz ähnlicher Altersverteilung weniger schwere COVID-Verläufe hatten, deutet jedoch darauf hin, dass bei der Vaskulitis weitere Faktoren hinzukommen, etwa höhere Glukokortikoid-Dosen oder kardiologische und metabolische Einflüsse.

Trotz Befürchtungen wegen des sowohl bei der Grunderkrankung als auch bei COVID-19 erhöhten Thromboserisikos waren die Daten zum Morbus Behçet eher beruhigend: Nur ein Drittel musste in die Klinik, und es starben nur zwei Betroffene. Die Gruppe mit Morbus Behçet war insgesamt jünger.

[1] Sattui SE, Conway R, Putman MS et al. Outcomes of COVID-19 in patients with primary systemic vasculitis or polymyalgia rheumatica from the COVID-19 Global Rheumatology Alliance physician registry: a retrospective cohort study. Lancet Rheumatol. 2021 Dec; 3(12): e855-e864. Epub 2021 Nov 5.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8570701/

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