COVID-19-Therapie-Update: Neue Studien

Remdesivir, Tocilizumab, Lopinavir-Ritonavir und Hydrochloroquin sind Therapien, die bei hospitalisierten COVID-19-Patienten zum Einsatz kommen. Zu allen Substanzen wurden in den vergangenen zwei Wochen kontrollierte Studien veröffentlicht – und wie sich zeigte, ist nicht jede dieser Therapien erfolgreich.

Eine aktuelle, im „The New England Journal of Medicine“ publizierte Studie [1] hatte den Effekt von Hydrochloroquin bei hospitalisierten COVID-19-Patienten untersucht. In die randomisierte, kontrollierte Studie waren fast 5.000 Patienten eingeschlossen worden, von denen (im 2:1-Studiendesign) 1.561 mit Hydrochloroquin behandelt wurden. Primärer Studienendpunkt war die 28-Tage-Mortalität. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Patienten nicht von der Therapie profitierten, die Mortalität in der Verumgruppe sogar minimal höher war (27% vs. 25%). Von den Patienten, die zu Beginn der Therapie noch nicht beatmungspflichtig waren, bedurfte in der Hydrochloroquin-Gruppe im Verlauf ein höherer Anteil eine invasive mechanische Beatmung.

Eine im „The New England Journal of Medicine“ publizierte Studie zu Remdesivir [2] kam hingegen zu einem moderat positiven Ergebnis. Sie hatte insgesamt 1.062 COVID-19-Patienten mit Infektion der unteren Atemwege randomisiert, die entweder Remdesivir oder ein Placebo erhielten. Primärer Studienendpunkt war die Zeit bis zur Genesung. Dieser Zeitraum betrug in der Verumgruppe durchschnittlich 10 Tage, in der Placebogruppe hingegen 15 Tage (p<0,001). Auch die Mortalität war in der Remdesivirgruppe geringer. Es profitierten vor allem diejenigen Patienten von der fünftägigen Therapie, die bereits Sauerstoff benötigten, aber noch nicht beatmet werden mussten.

Eine große Studie zu Lopinavir-Ritonavir [3], ebenfalls hochkarätig publiziert in „The Lancet“, ging hingegen negativ aus, es konnte kein Therapievorteil im Hinblick auf das Outcome der hospitalisierten COVID-19-Patienten gezeigt werden. Die Behandlung verkürzte weder die Hospitalisierungsdauer, noch war die 28-Tage-Mortalität zwischen den Gruppen signifikant unterschiedlich (23% im Verumarm, 22% unter Standardtherapie).

Eine weitere aktuelle Studie [4] verglich die Wirksamkeit von Tocilizumab in verschiedenen Darreichungsformen (subkutane vs. i.v.-Gabe). 65 Patienten erhielten das Medikament i.v., 60 subkutan. Wie sich zeigte, war die i.v.-Gabe hinsichtlich der Verbesserung respiratorischer Parameter sowie der Mortalitätsraten der subkutanen Gabe signifikant überlegen.

[1] The RECOVERY Collaborative Group. Effect of Hydroxychloroquine in Hospitalized Patients with Covid-19. NEJM 2020. Published October 8, 2020. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2022926

[2] Beigel JH, Tomashek KM, Dodd LE et al. Remdesivir for the Treatment of Covid-19 — Final Report. NEJM 2020. Published October 8, 2020. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2007764

[3] The RECOVERY Collaborative Group. Lopinavir–ritonavir in patients admitted to hospital with COVID-19 (RECOVERY): a randomised, controlled, open-label, platform trial. The Lancet 2020. Published October 5, 2020. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)32013-4/fulltext

[4] Kaminskia MA, Sunny S, Balabayova K et al. Tocilizumab Therapy of COVID-19: A Comparison of Subcutaneous and Intravenous Therapies. International Journal of Infectious Diseases 2020. Published September 28, 2020. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1201971220321640