COVID-19-Risiko bei Patienten mit Substanzabusus

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Eine retrospektive Fall-Kontroll-Studie untersuchte, ob Patienten mit Abusus von Opioiden und anderen Substanzen, aber auch Nikotin, ein höheres Erkrankungsrisiko oder einen ungünstigeren COVID-19-Verlauf haben als Patienten ohne chronische Abhängigkeiten. Dazu wurden elektronische Krankendaten von mehr als 70 Millionen US-amerikanischen Patienten analysiert, von denen 12.030 an einer SARS-CoV-2-Infektion erkrankt waren.

Insgesamt 73.099.850 Patienten wurden ausgewertet. Es zeigte sich, dass Patienten mit einer Opioid- oder anderen Substanz-Abhängigkeit (aktuell bzw. in den letzten 12 Monaten) gegenüber nicht-Abhängigen ein signifikant höheres, fast 9-fach erhöhtes Risiko haben, an COVID-19 zu erkranken (Adj.OR = 8,7). Bei Opioid-Abusus war das Risiko am höchsten (Adj.OR = 10,2), gefolgt von Nikotin-Abhängigkeit (Adj.OR = 8,2).

Patienten mit Substanz-Abusus hatten gegenüber nicht-abhängigen Personen signifikant häufiger chronische Nieren-, Leber-, Lungen- und kardiovaskuläre Erkrankungen, ebenso Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas und Malignomerkrankungen. Afroamerikaner mit Substanz-Abusus hatten ein höheres COVID-19-Risiko als Weiße (Adj.OR = 2,2).

Gegenüber nicht-abhängigen war das Outcome bei abhängigen COVID-19-Patienten signifikant schlechter (9,6% versus 6,6% Todesfälle und 41% versus 30% stationäre Behandlungen). Auch hier hatten Afroamerikaner eine schlechtere Prognose als weiße abhängige COVID-19-Patienten (13% versus 8,6% Todesfälle und 50,7% versus 35,2% stationäre Behandlungen).

Die Autoren konstatieren, dass Patienten mit Substanz-Abusus offensichtlich eine COVID-19- Risikogruppe darstellen, insbesondere bei afroamerikanischer Herkunft und Opioid-Missbrauch.  Sie betonen, dass gerade im Kontext der Pandemie eine Abusus-Problematik nicht übersehen werden sollte. Implikationen für die Gesundheitspolitik seien angepasste Test-Strategien und gegebenenfalls großzügigere Klinikeinweisungen wie bei anderen Risikogruppen auch. Gleiches gelte für mögliche künftige Impfstrategien mit Priorisierung von Risikogruppen.

Wang QQ, Kaelber DC, Xu R et al. COVID-19 risk and outcomes in patients with substance use disorders: analyses from electronic health records in the United States. Mol Psychiatry 2020 Sep 14. doi: 10.1038/s41380-020-00880-7. Online ahead of print.  PMID: 32929211 DOI: 10.1038/s41380-020-00880-7 https://www.nature.com/articles/s41380-020-00880-7