COVID-19: Implikationen in der Neurologie und Neurochirurgie – ein Literaturreview

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Die COVID-19-Pandemie hat die Medizinlandschaft weltweit stark verändert; das Wissen hinsichtlich eines optimalen Patientenmanagements nimmt kontinuierlich zu. Die verfügbaren Daten umfassen Kasuistiken, Fallserien, Protokolle und Empfehlungen bis hin zu Observations- und ersten prospektiven Studien. Das vorliegende Review versucht, den aktuellen Wissensstand zusammenzufassen und „best practice“ Empfehlungen zu geben – soweit dies die Neurologie und Neurochirurgie betrifft. 

Eine SARS-CoV-2-Infektion kann sich mit Kopfschmerz, Schwindel, Anosmie, Bewusstseinsstörungen, zerebrovaskulären Ereignissen, Krampfanfällen oder Ataxie manifestieren; auch über Covid-19-assoziierte Enzephalitiden (einschließlich hämorrhagischer Nekrotisierung) wurde berichtet. Vorbestehende zerebrovaskuläre Erkrankungen scheinen einen Risikofaktor für ein schlechteres COVID-19-Outcome darzustellen. Neurodegenerative Langzeitschäden sind derzeit noch nicht zu überschauen, das theoretische Wissen beruht vor allem auf Erfahrungen mit früheren Coronaviren.

Vorläufige Handlungsempfehlungen hinsichtlich COVID-19-bezogener Maßnahmen stammen aus Prä-COVID-19-Zeiten sowie aus besonders stark betroffenen Ländern wie China und Italien. So existieren Konsensusempfehlungen für eine sichere Fortführung der Betreuung chronisch neurologisch kranker Patienten. Algorithmen und Empfehlungen zum neurologisch-neurochirurgischen Management umfassen auch den Einsatz des medizinischen Personals sowie eine etwaige Priorisierung im Notfall, auch die Planung und das Absetzen oder Verschieben neurochirurgischer Eingriffe. Es werden strikte Vorsichtsmaßnahmen empfohlen, wenn Patienten mit COVID-19-Verdacht eine endovaskuläre Thrombektomie benötigen. Das beste Procedere hinsichtlich Anästhesie und Monitoring wird noch kontrovers diskutiert. Favorisiert werden eher konservative Maßnahmen, die mit geringerem Risiko einer Aerosolbildung einhergehen.

Die Empfehlungen und Guidelines im Rahmen der COVID-19-Pandemie, auch für neurologische und neurochirurgische Vorgehensweisen, werden immer weiter aktualisiert und modifiziert werden. Es sei essenziell, so schließen die Autoren, dass Behandlungsalgorithmen mit dem Ziel der optimalen Patientenversorgung künftig in Studien weiter evaluiert werden.

Wilson MP, Jack AS. Coronavirus disease 2019 (COVID-19) in neurology and neurosurgery: A scoping review of the early literature. Clin Neurol Neurosurg 2020 Apr 23; 193: 105866 doi: 10.1016/j.clineuro.2020.105866.  https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0303846720302092?via%3Dihub