COVID-19-Impfung verringert das Thrombose-Risiko bei einer Durchbruchsinfektion

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Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie [1] liefert ein weiteres Argument, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen. Denn selbst wenn es zu einer Durchbruchsinfektion kommt, haben vollständig geimpfte, ambulant behandelte COVID-19-Patientinnen und -Patienten ein deutlich reduziertes Risiko, in den ersten 30 Tagen nach der Infektion eine tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie zu erleiden. Bei Ungeimpften ist das Thrombembolierisiko gegenüber nicht Infizierten auf mehr als das 21-Fache erhöht.

Während für hospitalisierte COVID-19-Patientinnen und -Patienten routinemäßig eine stadienabhängige Thromboseprophylaxe oder therapeutische Antikoagulation empfohlen wird, herrscht bezüglich des Vorgehens im ambulanten Setting Unsicherheit. Bei jüngeren ambulanten COVID-19-Patientinnen und -Patienten konnte kein Nutzen einer VTE-Prophylaxe mit Acetylsalicylsäure oder Apixaban nachgewiesen werden – wir berichteten.

Um herauszufinden, wie hoch das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) kurz nach SARS-CoV-2-Infektion bei ambulanten Patientinnen und Patienten ist, und welches die Risikofaktoren sind, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus England und Spanien 18.818 zwischen dem 1.3.2020 und dem 3.9.2021 laut UK Biobank positiv auf das Virus getestete Personen mit einer gematchten Kohorte von 93.179 COVID-19-naiven Menschen aus demselben Zeitraum verglichen. Wer bereits eine VTE gehabt hatte, in den vorangehenden zwölf Monaten antithrombotische Medikamente erhalten hatte oder im Krankenhaus positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, wurde nicht in der Studie berücksichtigt.

Das Durchschnittsalter lag in beiden Gruppen bei etwa 64 Jahren, etwas mehr als die Hälfte waren Frauen. Bei Nicht-Infizierten lag die VTE-Inzidenz bei 2,37 pro 1.000 Personen pro Jahr, bei Infizierten bei 50,99. Eine SARS-CoV-2-Infektion erhöhte das Risiko, in den folgenden 30 Tagen eine VTE zu bekommen, bei Infizierten um den Faktor 21,42. Es sei denn, sie waren vollständig geimpft. Dann war ihr Risiko nur rund sechsfach erhöht.

Bekannte allgemeine VTE-Risikofaktoren wie höheres Lebensalter, männliches Geschlecht und Übergewicht waren unabhängige VTE-Risikofaktoren in der akuten COVID-19-Erkrankungsphase. Das VTE-Risiko stieg um 87% mit jeder Lebensdekade an, beziehungsweise um 69% bei Männern und um 83% bei Adipositas. Bei einer Thrombophilie mit Faktor-V-Leiden-Mutation war das Risiko verdoppelt.

[1] Xie J, Prats-Uribe A, Feng Q et al. Clinical and Genetic Risk Factors for Acute Incident Venous Thromboembolism in Ambulatory Patients With COVID-19. JAMA Intern Med. 2022 Aug 18:e223858

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2795466

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