COVID-19-assoziiertes Kawasaki-Syndrom bei Kindern

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Die Ursache des Kawasaki-Syndroms ist nicht vollständig geklärt, postuliert wird eine gesteigerte Immunreaktion auf meist unbekannte Pathogene bei entsprechender genetischer Disposition. In einer Klinik in Bergamo, Italien, wurden in den letzten Monaten der SARS-CoV-2-Pandemie auffällig viele Kinder mit schweren, Kawasaki-ähnlichen Erkrankungen stationär behandelt. In einer Studie wurden diese mit historischen Fällen eines Kawasaki-Syndroms der letzten fünf Jahre verglichen.

Die Kawasaki-Erkrankungen werden eingeteilt in ein KDSS („Kawasaki disease shock syndrome“)  mit Kreislaufdysfunktion und ein MAS (Makrophagenaktivierungs-Syndrom), entsprechend den Kriterien für immunvermittelte Erkrankungen der „Paediatric Rheumatology International Trials Organisation“. Während der SARS-CoV-2-Pandemie traten vermehrt schwere Kawasaki-ähnliche Erkrankungen bei Kindern auf. Die vorliegende monozentrische Erhebung verglich die Häufigkeit, Patientencharakteristika und Ausprägung des Kawasaki-Syndroms vor und während der Pandemie.

Vor der Pandemie (von 1/2015 bis 2/2020) waren an dem pädiatrischen Zentrum in Bergamo, Italien, 19 Kinder (12/19 weiblich) mit Kawasaki-Syndrom behandelt worden, zwischen Mitte Februar bis April 2020 zehn Patienten (7/10 männlich) – die Inzidenz der Kawasaki-Erkrankungen war damit während der Pandemie um den Faktor 30 erhöht. Fünf der zehn Kinder hatten eine SARS-CoV-2-Pneumonie; nur bei zwei der zehn war der SARS-CoV-2-Rachenabstrich positiv, jedoch fanden sich bei acht Kindern SARS-CoV-2-Antkörper (IgG und/oder IgM).

Kardiale Beteiligungen zeigten zwei der 19 Kawasaki-Patienten vor der Pandemie und bei sechs von den zehn Kindern, die Anfang dieses Jahres behandelt wurden – sie waren damit sechsmal so häufig. Vor der COVID-19-Pandemie war das mittlere Erkrankungsalter niedriger (3 ± 2,5 versus 7,5 ± 3,5 Jahre). KDSS plus MAS lagen bei 0/19 (vor Pandemie) und 5/10 (während der Pandemie) vor, eine Steroidtherapie war bei 3/19 (vor der Pandemie) und 8/10 Fällen (während der Pandemie) notwendig – und damit bei COVID-19-assoziierten Kawasaki-Syndromen signifikant häufiger erforderlich (jeweils p<0,01).

Besonders hervorgehoben wird von den Autoren, dass die meisten Kinder eine negative PCR hatten, aber eine SARS-CoV-2-Serokonversion aufwiesen, – und eine immunsuppressive Therapie bei ihnen häufiger notwendig und auch erfolgreich war. Die Autoren sehen damit die Hypothese einer ursächlichen, verspäteten („late onset“) Immunantwort auf die Virusinfektion bestätigt.

Verdoni L, Mazza A, Gervasoni A et al. An outbreak of severe Kawasaki-like disease at the Italian epicentre of the SARS-CoV-2 epidemic: an observational cohort study. Lancet 2020 May 13 doi: 10.1016/S0140-6736(20)31103-X [Epub ahead of print] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)31103-X/fulltext