COVID-19-assoziierte Enzephalopathie: Ein Fallbericht

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Eine Kasuistik aus den USA berichtet von einen 74-jährigen COVID-19-Patienten, bei dem die respiratorische Symptomatik zunächst verkannt wurde, der dann aber innerhalb von 24 Stunden Zeichen einer akuten Enzephalopathie mit Bewusstseinsstörungen aufwies. Erst daraufhin wurde auch ein SARS-CoV-2-Test durchgeführt.

Der Patient kam zunächst mit Husten und Fieber in die Notfallambulanz. Vorbekannt waren ein Schlaganfall bei Vorhofflimmern, eine Parkinson-Erkrankung und eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Da Routinelabor und Röntgenthorax ohne wegweisenden Befund waren, wurde von einer Exazerbation der COPD ausgegangen und eine ambulante Therapie mit oralen Antibiotika begonnen. Nach 24 Stunden hatten sich die Symptome verschlechtert, der Patient klagte über Kopfschmerzen und war mental auffällig. Die Röntgenkontrolle zeigte nun rechts einen Pleuraerguss und beidseitig basale Eintrübungen; im CT subpleurale Verschattungen und basale Verdichtungen. Blutkulturen und Streptokokken-Abstriche waren negativ, ebenso Influenza A und B. Die neurologische Untersuchung bestätigte eine schwere Enzephalopathie mit Aphasie und dem Unvermögen, jeglichen Aufforderungen nachzukommen; eine Nackensteifigkeit bestand nicht, der Liquor war ohne Infektionshinweise. Der Patient reagierte auf Schmerzreize, alle Extremitäten waren beweglich. Das zerebrale CT zeigte narbige Veränderungen nach dem früheren ischämischen Schlaganfall, aber keine akuten Auffälligkeiten. Im EEG fielen eine diffuse Verlangsamung und fokal temporal steile Wellen auf (Temporallappendysfunktion mit potenziell epileptogener Aktivität). Der Patient erhielt prophylaktisch wegen möglicher subklinischer Anfälle Antiepileptika, außerdem empirisch Vancomycin, Meropenem und Aciclovir. Die wegen der pulmonalen Befunde durchgeführte SARS-CoV-2-PCR war positiv. Es wurden nun zusätzlich Hydroxychloroquin und Lopinavir/Ritonavir verabreicht, dennoch musste der Patient im Verlauf wegen Lungenversagen intubiert und beatmet werden, er befand sich zum Zeitpunkt der Publikation in einem kritischen Zustand. Fazit für die Praxis: Bei Enzephalopathien sollte auch immer ein SARS-CoV-2-Abstrich erfolgen.

 

Filatov A, Sharma P, Hindi F et al. Neurological Complications of Coronavirus Disease (COVID-19): Encephalopathy. Cureus 2020 Mar 21; 12 (3): e7352 https://www.cureus.com/articles/29414-neurological-complications-of-coronavirus-disease-COVID-19-encephalopathy