COVID-19-assoziierte Autoimmunenzephalitis

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Die Häufigkeit möglicher COVID-19-assoziierter Autoimmunenzephalitiden (AE) wurde an der Mayo Klinik Rochester, USA, bei 556 konsekutiven AE-Verdachtsfällen untersucht. SARS-CoV-2-Antikörper waren bei 3% nachweisbar. Diese „Labor-Kohorte“ wurde mit einer Enzephalopathie-Kohorte (n=31) verglichen, von denen 16% eine AE hatten – entsprechend 0,05% der 10.384 COVID-19-Fälle der Klinik im Jahr 2020.

Über COVID-19-assoziierte Autoimmunenzephalitiden (AE) wurde wiederholt berichtet, die tatsächliche Häufigkeit ist jedoch unbekannt. Eine Studie ermittelte daher die Häufigkeit von SARS-CoV-2-Antikörpern in Serumproben von 556 konsekutiven AE-Verdachtsfällen der Mayo Klinik Rochester, bei denen nach neuronalen IgG-Autoimmunantikörpern gesucht wurde („Labor-Kohorte“). Die klinischen Daten der Patientinnen und Patienten mit positivem SARS-CoV-2-Antikörper-Ergebnis wurden zusammengefasst. Diese Laborkohorte wurde mit einer Enzephalopathie-Kohorte (n=31) verglichen.

Im Ergebnis waren 18 Proben der Laborkohorte (3%) positiv für SARS-CoV-2-Antikörper. Diagnostiziert wurden allerdings nur 2 Fälle einer AE. Andere Diagnosen waren postakute Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion (PASC, n=3), toxisch-metabolische Enzephalopathien (n=2) und nicht-COVID-19-assoziierte neurologische Diagnosen (n=9).

In der Enzephalopathie-Kohorte hatten 5/31 (16%) eine AE (zwei dieser Fälle waren gleichzeitig in der Labor-Kohorte). Dies entsprach 0,05% aller 10.384 COVID-19-Fälle der Mayo Klinik im Jahr 2020. Von den fünf Fällen der Enzephalopathie-Kohorte wurden aufgrund diagnostischer AE-Kriterien 3/5 als „möglich“ und jeweils ein Fall als „wahrscheinlich“ bzw. „sicher“ eingeordnet. Das mediane Alter bei Symptombeginn betrug 61 (46-63) Jahre, 3/5 waren weiblich. Alle fünf waren negativ für antineuronale IgG, und vier Betroffene mit weiterführender Liquordiagnostik hatten einen negativen SARS-CoV-2 PCR/IgG-Index. Die klinischen Syndrome umfassten Delir (n=5), Epilepsie (n=2), Rhombenzephalitis (n=1), Aphasie (n=1) und Ataxie (n=1). Bei 3/31 der möglichen AEs kam es zur spontanen Symptomrückbildung. Ein Betroffener mit nachgewiesener limbischer Enzephalitis sprach auf die Immuntherapie an (mit residueller Beeinträchtigung). Ein anderer, bei dem wahrscheinlich eine autoimmune Rhombenzephalitis vorlag, verstarb trotz Immuntherapie. Die restlichen 26/31 der Enzephalopathie-Kohorte hatten toxisch-metabolische Diagnosen.

[1] Sanchez CV, Theel E, Binnicker M et al. Autoimmune Encephalitis Post-SARS-CoV-2 Infection: Case Frequency, Findings, and Outcomes. Neurology 2021 Oct 11; 10.1212/WNL.0000000000012931. doi: 10.1212/WNL.0000000000012931. Online ahead of print.

https://n.neurology.org/content/early/2021/10/11/WNL.0000000000012931.long

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