Kopfschmerz-Charakteristika nach COVID-19-Impfung mit BNT162b2

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Die Kopfschmerzen, die nach Impfung mit der mRNA-Vakzine von BioNTech/Pfizer bei etwa der Hälfte der Patienten und damit als häufigstes neurologisches Symptom auftreten, haben offenbar einen speziellen Phänotyp und entsprechen weder einem Migräne- noch einem Spannungskopfschmerz. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben die Charakteristika dieser Schmerzen in einer multizentrischen Kohortenstudie [1] untersucht.

Mit standardisierten Online-Fragebögen, die an 12.000 Pflegeheimen sowie an Kliniken der Maximalversorgung in Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt wurden, hat eine Forschungsgruppe aus Schleswig-Holstein, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Merkmale von Kopfschmerzen nach Impfung mit BNT162b2 erhoben. Sie unterschieden sich in Lokalisation, zeitlichem Auftreten und Begleitsymptomen von anderen Kopfschmerzformen.

2.349 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gaben Kopfschmerzen nach COVID-19-Impfung an. Diese wurden in allen Altersgruppen mit ähnlichen Charakteristika beobachtet. Weniger als 10% der Betroffenen berichteten über Kopfschmerzen nach früheren Impfungen, und diese seien anders gewesen.

Kopfschmerzen nach COVID-19-Impfung traten durchschnittlich nach 18 Stunden auf und dauerten im Mittel 14 Stunden. In 66% handelte es sich um eine einzelne Episode. Überwiegend, in 73%, handelte es sich um bilaterale Schmerzen, vornehmlich im Bereich von Stirn, Schläfen, der Kopfhinterseite und retroorbital, ohne Ausstrahlung in weitere Regionen. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer – fast drei Viertel waren Frauen – beschrieben die Schmerzen als dumpf oder drückend. Rund 43% beobachteten eine Schmerzverstärkung durch körperliche Routineaktivität. Die häufigsten Begleitsymptome waren Fatigue bei 38,8%, Erschöpfung bei 25,7% und Muskelschmerzen bei 23,4%. Auch Übelkeit sowie vermehrte Licht- und Lärmempfindlichkeit wurden von 23,9%, 27,8% und 26,8% der Befragten genannt, und Frauen gaben deutlich stärkere und länger anhaltende Schmerzen an als Männer. 28,1% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben in der Anamnese Spannungskopfschmerzen, 15,4% Migräne und 11,7% beides an. Ein mögliches Bias durch die freiwillige Studienteilnahme und das generell häufige Auftreten von Kopfschmerzen ist in Betracht zu ziehen.

Postvakzinierungs-Kopfschmerzen können auch bei sonst gesunden Menschen auftreten und sind bislang nicht in der Internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen gelistet. Ob für die Schmerzen nach COVID-19-Impfung mit BNT162b2 womöglich das Spike-Protein, das auf Basis der verimpften mRNA in den Zellen gebildet wird, verantwortlich ist oder ob die Kopfschmerzen Folge der durch die Impfung hervorgerufenen Immunantwort sind, ist noch unbekannt.

[1] Göbel CH, Heinze A, Karstedt S et al. Clinical characteristics of headache after vaccination against COVID-19 (coronavirus SARS-CoV-2) with the BNT162b2 mRNA vaccine: a multicentre observational cohort study. Brain Communications 2021; 3(3): fcab169. Published online 2021 Jul 23

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8344581

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