Carotis-Dissektion nach Oropharynx-Abstrich nach durchgemachter COVID-19-Pneumonie

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Ein Fallbericht [1] aus der Neurologie am Universitätsklinikum Essen verdeutlicht, dass Naso- und Oropharynx-Abstriche zum Nachweis von SARS-CoV-2-RNA nur durch geschultes Personal vorgenommen werden sollten. Ein behutsames Vorgehen ist besonders wichtig bei Menschen mit aktueller oder gerade durchgemachter COVID-19-Erkrankung. Der vorgestellte Patient erlitt infolge der Manipulation einen Schlaganfall.

Neurologinnen und Neurologen aus Essen berichten [1] von einem 52-jährigen Patienten, der mit einem akuten Mediasyndrom mit hochgradiger rechtsseitiger Hemiparese und globaler Aphasie in die Notaufnahme eingeliefert wurde. Gerade hatte er sich von einer SARS-CoV-2-Infektion mit milder Pneumonie erholt. Die Symptome begannen, als er sich nach fünf Tagen Quarantäne einem Oropharynx-Abstrich für einen PCR-Test unterzog. Der Sanitäter, der den Abstrich bei dem sitzenden Patienten vornahm, bat ihn, den Kopf so weit wie möglich nach hinten zu neigen. Der Patient empfand die Hyperextension als unangenehm und verspürte einen akuten Schmerz im Hals. Zudem gab er im Nachhinein an, auch einen lokalen Schmerz innen an der Abstrichstelle verspürt zu haben. 30 Minuten nach dem Abstrich konnte sich der Patient nicht mehr sprachlich äußern. Auf der National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS) hatte er bei Aufnahme in die Klinik einen Score von 17. Ein unmittelbar veranlasstes Computertomogramm (CT) ergab keine frühen Schlaganfall-Zeichen, die Perfusionsuntersuchung zeigte große minderdurchblutete Areale links präzentral und zentral. In der CT-Angiographie fanden sich Unregelmäßigkeiten im linken Bulbus caroticus mit Verdacht auf eine kurzstreckige Stenose der Arteria carotis interna (ICA) infolge einer atypischen Dissektion. Die Diagnose bestätigte sich später im Ultraschall und im MRT, das dann auch frische Infarkte im MCA-Stromgebiet nachweisen konnte.

Nach systemischer Thrombolyse mit rtPA 60 Minuten nach Symptombeginn besserten sich die Beschwerden rasch. Weiterführende Untersuchungen einschließlich EKG und transösophagealer Echographie, Thrombophiliescreening und Liquoruntersuchungen waren unauffällig. Der Patient hatte eine unauffällige Anamnese und Familienanamnese, ohne Migräne oder zerebrovaskuläre Erkrankungen oder Risikofaktoren. Der Folgen des Schlaganfalls besserten sich im Verlauf nach Rehabilitationsbehandlung weitgehend. Residuelle Wandveränderungen der ACI verblieben.

Hyperkoagulabilität infolge der systemischen Entzündung sowie eine Endothelitis können bei der COVID-19-Infektion zu ischämischen Schlaganfällen führen. Somit erscheint eine vermehrte Gefäßwand-Vulnerabilität infolge der Infektion plausibel, auf Basis derer dann auch geringe Traumata zu einer Dissektion führen könnten. In diesem Fall haben womöglich die Hyperextension und zusätzlich der lokale Druck durch den Tupfer eine Rolle gespielt, wofür die untypisch tiefe Lokalisation der Dissektion sprechen könnte. Aber auch spontane Dissektionen sind bei COVID-19 wie bei anderen Atemwegsinfektionen beschrieben.

 [1] Asan L, Deuschl C, Forsting M et al. Oropharyngeal swab for SARS-CoV-2 test causing atypical internal carotid artery dissection and stroke in a patient after mild COVID-19. Therapeutic Advances in Neurological Disorders. First Published July 23, 2021

https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/17562864211033521

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