Bulbus olfactorius bei COVID-19-Anosmie häufig in der MRT verändert

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Patienten mit COVID-19-assoziierter Anosmie haben oft Veränderungen im Bereich der Geruchsspalten, der Riechfäden und des Bulbus olfactorius. In einer prospektiven Bildgebungsstudie mit 23 Patienten [1] konnte zudem ein hoher Prozentsatz degenerativer Veränderungen des Riechkolbens festgestellt werden.

Nahezu jeder zweite Patient mit COVID-19 hat Geruchsstörungen. Offenbar sind diese nicht wie bei anderen viralen oberen Atemwegsinfekten durch Obstruktion bedingt. Um die zugrundeliegende Pathogenese besser zu verstehen, haben Wissenschaftler aus den USA und der Türkei im Rahmen einer radiologischen Studie [1] 23 anosmische COVID-19-Patienten mittels MRT und HR-CT untersucht, und die Resultate der Bildgebung mit Befunden im „Sniffin´ Sticks“-Test korreliert. Dabei werden Wahrnehmungsschwelle sowie die Fähigkeit, Gerüche zu erkennen und zu unterscheiden mit Hilfe verschiedener Alltagsgerüche ermittelt und daraus der sogenannte TDI-Score (threshold, discrimination, identification) abgeleitet. Werte ab 30,5 bedeuten ein normales Geruchsvermögen, solche unter 16,5 eine Anosmie.

Eingeschlossen wurden Patienten, die sich zwischen Mai und Juni 2020 in einer Spezialambulanz für Geruchs- und Geschmackssinn vorstellten und im Rahmen einer mittels PCR nachgewiesenen COVID-19-Infektion seit mindestens einem Monat an Geruchsstörungen litten. Bei den meisten COVID-19-Patienten klingen die Geruchsstörungen innerhalb von 1-3 Wochen ab.

Die Patienten waren im Median 29 Jahre alt, 60,9% waren Frauen. Zum Zeitpunkt der Bildgebung waren alle nach dem TDI-Score anosmisch. Nur sieben von ihnen gaben sinonasale Symptome wie Rhinorrhö oder nasale Obstruktion an. Im CT hatte niemand Verschattungen der Ethmoidalzellen oder Nasennebenhöhlen. Die Geruchsspalten hingegen waren bei 73,9% zumindest partiell verschattet. Im MRT war der Bulbus olfactorius bei 43,5% kleiner als normal, 60,9% hatten abgeflachte Sulci. Bei 54,2% hatte der üblicherweise wie ein J geformte Bulbus eine veränderte Morphologie. 91,3% wiesen Signalveränderungen des Bulbus mit diffus erhöhter Signalintensität, hyperintensen Herden oder Mikrohämorrhagien auf. Verklumpungen der Fila olfactoria waren bei 34,8 Prozent, und verdünnte, rarefizierte Riechfäden bei 17,4% auszumachen. Signalveränderungen im primären olfaktorischen Kortex wurden bei 21,7% festgestellt.

Nach Einschätzung der Autoren passen die Ergebnisse zu früheren Beobachtungen, dass es bei COVID-19-assoziierter Anosmie zu Entzündungen im Bereich der Geruchsspalten kommt. Außerdem spreche der recht hohe Prozentsatz degenerativer Veränderungen im Bereich des Bulbus olfactorius dafür, dass Nervenbahnen direkt oder indirekt geschädigt würden, besonders bei anhaltender Post-COVID-19-Anosmie. Weitere Longitudinalstudien werden empfohlen.

[1] Kandemirli SG, Altundag A, Yildirim D et al. Olfactory Bulb MRI and Paranasal Sinus CT Findings in Persistent COVID-19 Anosmia. Acad Radiol 2021;28:28-35. DOI: https://doi.org/10.1016/j.acra.2020.10.006