Boostern unter anti-CD20- und Fingolimod-Therapie

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Patienten mit Multipler Sklerose (MS), die anti-CD20-Antikörper oder Fingolimod erhalten, bilden zu 80% nur eine schwache humorale Immunantwort nach zweimaliger COVID-19-Impfung mit mRNA-Vakzinen aus. Ein Booster führt einer norwegischen Studie zufolge zu einem moderaten Anstieg der Antikörpertiter und sollte daher empfohlen werden. Die Verträglichkeit war gut.

Auch wenn allein von den Antikörperspiegeln nicht zwangsläufig auf den Impfschutz zurückgeschlossen werden kann, da eine T-Zell-Reaktion zu berücksichtigen ist (wir berichteten), belegen neue Daten aus Norwegen [1], dass die oft unzureichende Antikörperbildung bei MS-Patienten unter B-Zell-depletierender oder Fingolimod-Therapie durch eine dritte Impfung, wenn auch nur moderat, doch immerhin signifikant gesteigert werden kann. Das gilt insbesondere bei einer Behandlung mit anti-CD20-Antikörpern.

Insgesamt 130 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die nach zweimaliger Impfung mit BNT162b2 (Pfizer/BioNTech) oder mRNA1273 (Moderna) weniger als 70 Einheiten (arbitrary units, AU) IgG-Antiköper gegen das Spike-Protein und die Rezeptor-bindende Domäne (RBD) von SARS-CoV-2 gebildet hatten, erhielten ab Juli 2021 an drei Universitätskliniken in Norwegen eine dritte Impfung. 3-12 Wochen nach Zweitimpfung und 3-5 Wochen nach Drittimpfung wurden die Antikörper gegen das Spike-Protein und die RBD bestimmt. Außerdem wurden 3-5 Wochen nach dem Booster Informationen zur Verträglichkeit eingeholt.

Die Geimpften waren im Median 47,5 Jahre alt. 74,6% waren Frauen. 76,9% erhielten Rituximab, 0,8% Ocrelizumab und 22,3% Fingolimod. Nach Grundimmunisierung mit zwei Impfdosen lagen die IgG-Antikörperspiegel gegen RBD in der anti-CD20-Gruppe im Median nur bei 8,9 und unter Fingolimod bei 9,2 AU. Weniger als 5 AU werden als fehlende Antikörperantwort gedeutet. Nach dem Booster stiegen die Werte in beiden Gruppen signifikant auf 49,4 und 25,1 AU. 24,8% der Geimpften unter B-Zell-depletierender Therapie, aber nur 6,9% unter Fingolimod, erreichten Antikörperspiegel über 70 AU, bei denen ein Immunschutz angenommen wird. Verglichen mit Patientinnen und Patienten mit RBD-IgG >70 AU nach 2 Impfdosen waren bei denen mit <70 AU höhere absolute Lymphozytenzahlen und höhere CD19-Zellzahlen mit dem Aufbau einer protektiven Antikörperantwort nach dem Boostern assoziiert. Wie lange die letzte anti-CD20-Gabe zurücklag und wie lange jemand bereits therapiert wurde, hatte keinen Einfluss auf die Antikörperantwort. Nebenwirkungen hatten 63,4% der mit anti-CD20-Antikörpern Behandelten und 37,9 % derer, die Fingolimod erhielten. Dabei handelte es sich aber überwiegend um Lokalreaktionen und Fatigue, schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Höhere Lymphozytenzahlen waren sowohl mit einem besseren humoralen Impfansprechen als auch mit dem Auftreten von Nebenwirkungen assoziiert.

[1] König M, Torgauten HM, Tran TT et al.: Immunogenicity and Safety of a Third SARS-CoV-2 Vaccine Dose in Patients With Multiple Sclerosis and Weak Immune Response After COVID-19 Vaccination. JAMA Neurol. 2022 Jan 24.

https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2787974

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