Bisher keine Evidenz für persistierende ZNS-Infektion bei Post-COVID

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Eine Studie analysierte Liquorproben von 40 COVID-19-Erkrankten von Tag 1 bis mehr als 90 Tage nach der akuten Infektion (Post-COVID), um Evidenz für eine mögliche, persistierende SARS-CoV-2-Infektion bzw. -Immunantwort zu finden. Im Ergebnis zeigten weder die RT-ddPCR noch der SARS-CoV-2-Antikörperindex Hinweise auf eine persistierende ZNS-Infektion als Ursache neurologischer Post-COVID-Symptome.

In einer Studie wurde nach Hinweisen für persistierende ZNS-Infektionen durch SARS-CoV-2 gesucht. In bisherigen neuropathologischen Studien wurde histologisch und elektronenmikroskopisch SARS-CoV-2-RNA im Hirngewebe beschrieben, die Häufigkeit eines zerebralen SARS-CoV-2-Nachweises war dabei jedoch sehr variabel und insgesamt selten. Auch gelang bei Fällen mit akuten neurologischen COVID-19-Symptomen sowie bei Post-COVID-Syndromen mit kognitiven Einschränkungen der SARS-CoV-2-Nachweis im Liquor mehrheitlich nicht. Es fehlt jedoch an systematischen Liquor-Analysen auf spezifische Antikörper. Die vorliegende Arbeit [1] untersuchte neben der RNA nun auch den SARS-CoV-2-Antikörperindex, der die Berechnung einer intrathekalen Antikörperproduktion ermöglicht und somit indirekte Hinweise auf eine persistierende ZNS-Infektion geben kann (analog zu anderen Erregern, z. B. Herpesviren oder Borrelien). Die Liquordiagnostik erfolgte zwischen Tag 1-30 (n=12), zwischen Tag 31-90 (n=8) oder nach mehr als 90 Tagen (Post-COVID, n=20). In keiner der Liquorproben konnte mittels RT-ddPCR Virus-RNA nachgewiesen werden, und keiner der 20 Post-COVID-Betroffenen zeigte intrathekale Antikörper. Bei einem Erkrankten mit fortbestehendem ARDS und Sepsis wurde im Liquor (Tag 39) ein erhöhter SARS-CoV-2-Antikörper-Index gefunden, aber auch grenzwertige Antikörperindices für andere Viren, was die Autorinnen und Autoren mit einer möglicherweise polyspezifischen Immunaktivierung erklären. Als limitierend diskutieren sie die kleine Fallzahl, die Schwäche der PCR, kleinste RNA-Mengen nachzuweisen, sowie, dass der Spike-Protein-IgG-basierte Antikörperindex andere potenzielle Immunantworten übersieht. Weitere Forschung halten sie für dringend notwendig – gerade zur Pathogenese des Post-COVID-Syndroms. Diskutiert werden diesbezüglich auch eine virusinduzierte Autoimmunität, persistierende strukturelle, funktionelle oder metabolische Veränderungen und psychosozialer Stress.

[1] Schweitzer F, Goereci Y, Franke C et al. CSF analysis in post-COVID-19 is not suggestive of persistent CNS infection. Annals of Neurology, 1. Nov. 2021

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ana.26262

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