Bildgebung bei Neuro-COVID: Schlaganfälle vor allem bei schwerkranken COVID-19-Patienten

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Ischämische Schlaganfälle sind nach den Ergebnissen eines systematischen Literaturreviews [1] die häufigste Diagnose, wenn COVID-19 Patienten mit neurologischen Manifestationen ein MRT erhalten. Dabei korrelierte das Vorhandensein von Schlaganfällen mit der Schwere der Infektion, und die Hälfte der Patienten, die an COVID-19 starben, hatten in der Bildgebung eine Ischämie.

Wissenschaftler aus Indien, Nepal und den USA werteten in einem Review die Daten von 171 COVID-19-Patienten mit neurologischen Komplikationen und MRT-Bildgebung aus 134 Studien aus. Es handelte sich um 106 Fallberichte und 28 Fallserien. Zusätzlich berücksichtigten sie 16 retrospektive Beobachtungsstudien, die aufgrund fehlender Daten zu Schwere und Mortalität der COVID-19-Erkrankung nicht statistisch analysiert werden konnten. Manifestationen ohne spezifische neurologische Diagnose, Nervenschmerzen, Schwindel oder Skelettmuskelsymptome wurden nicht berücksichtigt.

Die häufigsten MRT-Diagnosen waren ischämische Schlaganfälle bei 36,2%, entzündliche ZNS-Erkrankungen bei 25,7% und zerebrale Blutungen bei 24% der Patienten. Bei der Hälfte der Patienten, die an COVID-19 starben, wurde ein ischämischer Schlaganfall nachgewiesen. Patienten mit ischämischem Schlaganfall waren mit durchschnittlich 57,5 Jahren signifikant älter als Patienten mit anderen Diagnosen (durchschnittlich 50,7 Jahre; p=0,011). Bei Schlaganfallpatienten ergab sich zudem ein deutlicher Zusammenhang mit der Schwere der Infektion. So hatten 73% der 41 Patienten mit Hirnblutung eine schwere COVID-19 Erkrankung; 41% der Patienten verstarben.

Von den 96 schwer an COVID-19 erkrankten Patienten hatte keiner im MRT eine Signalveränderung im Bereich des Bulbus olfactorius, sondern nur drei Patienten (4%) ohne schwere COVID-19-Erkrankung. Ähnlich verhielt es sich bei Signalveränderungen der Hirnnerven, welche bei 8% leichter Fälle, jedoch bei keinem der Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung festgestellt wurde. Patienten mit Signalveränderung im Bulbus olfactorius waren mit durchschnittlich 29 Jahren deutlich jünger als die restlichen Patienten, die im Durchschnitt 53,6 Jahre alt waren.

Von 90 Patienten mit vaskulären Pathologien – ischämischer und hämorrhagischer Schlaganfall, Sinusvenenthrombose, hypoxische ischämische Enzephalopathie und Mikroblutungen – starben 38%. Das waren signifikant (p=0,005) mehr als unter den Patienten ohne vaskuläre Läsionen (19%). Zu den Patienten mit nicht-vaskulärer Pathologie wurden dabei auch Patienten mit akuter disseminierter Enzephalomyelitis (ADEM), ZNS-Vaskulitis, zytotoxischen Läsionen des Corpus callosum, posteriorem reversiblen Enzephalopathie-Syndrom (PRES), Exazerbation einer Multiplen Sklerose, Opticusneuritis und akuter hämorrhagischer nekrotisierender Enzephalopathie gerechnet. Eine entzündliche Beteiligung des Nervensystems hatten insgesamt 57 Patienten, 63% davon waren schwer an COVID-19 erkrankt.

Die Autoren sprechen sich dafür aus, bei COVID-19-Patienten mit neurologischen Beschwerden früh eine Bildgebung, vorzugsweise mittels MRT, zu veranlassen, um dann gegebenenfalls rasch aggressiv behandeln zu können.

[1] Chowdhary A, Subedi R, Tandon M et al. Relevance and Clinical Significance of Magnetic Resonance Imaging of Neurological Manifestations in COVID-19: A Systematic Review of Case Reports and Case Series. Brain Sci. 2020;10(12):1017.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7766893/