Bewusstsein kehrt nach Beatmung bei COVID-19 zögerlich zurück

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Laut einer aktuell publizierten US-Studie [1] dauert es bei Menschen, die wegen COVID-19 intubiert und beatmet werden müssen, länger, bis sich die Betroffenen wieder erholen. Erst nach im Median 30 Tagen sind sie wieder in der Lage, nach Aufforderung einfache Bewegungen auszuführen. Maßgeblich für die prolongierte Erholungszeit ist die Hypoxämie. Jede Hypoxämie-Episode verlängerte die mediane Erholungszeit signifikant.

In der retrospektiven Kohortenstudie [1], die während der ersten Pandemiewelle von März bis Juli 2020 an drei US-Zentren insgesamt 795 beatmungsbedürftige, schwer kranke Patientinnen und Patienten mit COVID-19 einschloss, war die um Wochen verzögerte Erholung nach endotrachealer Intubation und maschineller Beatmung signifikant mit einem Sauerstoffmangel assoziiert.

Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer mussten mindestens sieben Tage intubiert sein und auf der Glasgow Coma Scale (GCS) einen Wert <6 aufweisen. Erfasst wurde die Zeit, bis die Betroffenen nach Intubation wieder in der Lage waren, sich auf Kommando zu bewegen, entsprechend dem maximalen motorischen GCS-Score von 6.

Ein Viertel der Patientinnen und Patienten erholte sich nach frühestens zehn Tagen. Allein eine einzige Hypoxämie-Episode mit einem Sauerstoffpartialdruck (PaO2) ≤50 mm Hg verlängerte dabei die mediane Erholungszeit signifikant um 16 Tage. Je schwerer die Hypoxämie, desto länger dauerte es. Jeder zusätzliche Hypoxämie-Tag machte eine Erholung unwahrscheinlicher. Insgesamt erholten sich nur 571 von 795 Beatmeten.

Die Ergebnisse waren statistisch unabhängig von dem Ausmaß der Sedierung und der Schwere der COVID-19-Erkrankung. Zudem bestätigten sie sich gleichermaßen bei Erkrankten mit und ohne nachweisbare Hirnschädigung in der Bildgebung – Letztere erfolgte bei 199 Personen – wie auch in einer unabhängigen Kohorte von 427 Patientinnen und Patienten aus der zweiten Pandemie-Welle von Oktober 2020 bis April 2021. Offenbar hatten also bis dahin hinzugewonnene Erkenntnisse zur COVID-19-Erkrankung und ihrer Therapie keinen maßgeblichen Einfluss auf die Erholungszeit. Das Autorenteam rät zur Durchführung von Studien, um die direkten Wirkungen einer Hypoxämie auf die neuronalen Funktionen weiter zu untersuchen.

[1] Waldrop G, Safavynia SA, Barra ME et al. Prolonged Unconsciousness is Common in COVID-19 and Associated with Hypoxemia. Ann Neurol. 2022 Mar 7:10.1002/ana.26342. doi: 10.1002/ana.26342.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ana.26342

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