Bestehende Antikoagulation mit DOAK: Schwedische Registerstudie zeigte keinen Vorteil im Hinblick auf schwere COVID-19-Verläufe

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Die Inzidenz thrombembolischer Ereignisse ist bei COVID-19 Patienten sehr hoch, weshalb eine höher dosierte Antikoagulation bei hospitalisierten COVID-19-Patienten diskutiert und derzeit in Studien untersucht wird. Eine schwedische Registerauswertung untersuchte nun, ob eine bestehende Therapie mit direkten oralen Antikoagulanzien das Hospitalisierungsrisiko, das Risiko für Intensivpflichtigkeit oder die Mortalitätsrate günstig beeinflusst. Wie sich zeigte, brachte die Therapie diesbezüglich keine Vorteile.

Es ist bekannt, dass die Inzidenz thrombembolischer Ereignisse bei COVID-19 Patienten sehr hoch ist. Es kommt bei COVID-19 zum Anstieg pro- und anti-inflammatorischer Zytokine zur Komplementaktivierung und letztlich zu einer Aktivierung des Koagulationssystems. Generell wird dazu geraten, schwerkranke COVID-19-Patienten engmaschig zu überwachen und eine Thromboseprophylaxe trotz Risiken (z.B. erhöhte Blutungsneigung) einzuleiten. Verschiedene Studien hatten gezeigt, dass womöglich der Nutzen der Antikoagulation bei hospitalisierten COVID-19-Patienten überwiegt (wir berichteten).

Doch wie ist die Prognose bei Patientinnen und Patienten, die ohnehin mit einem oralen Antikoagulanz behandelt werden, z.B. wegen Vorhofflimmern? Stellt diese Therapie eine Protektion vor schweren Verläufen dar? Eine aktuelle Studie analysierte die Daten eines nationalen schwedischen Registers. Ausgewertet wurden Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 45 und 84 Jahren, die wegen Vorhofflimmern, ischämischer Herzerkrankung, Herzversagen, Kardiomyopathie, vorausgegangenem Schlaganfall oder TIA, systemischen Embolien oder anderer vaskulärer Erkrankungen direkte orale Antikoagulanzien (DOAC) erhalten hatten. Insgesamt entsprachen 103.703 Patientinnen und Patienten diesen Kriterien. Sie wurden mit einer Gruppe (n=36.875), die trotz Vorhofflimmern keine DOAC-Therapie erhalten hatte, sowie mit einer weiteren Patientengruppe, die keinerlei kardiovaskuläre Erkrankungen aufwies, im Hinblick auf das Hospitalisierungsrisiko, das Risiko für Intensivpflichtigkeit und Mortalität verglichen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Antikoagulation nicht vor schweren COVID-19-Krankheitsverläufen schützte. Die adjustierte OR betrug im Vergleich zu kardiovaskulären Patienten ohne DOAC-Therapie 1,00 und im Vergleich zu Patienten ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen 0,94. Die Autoren schlussfolgern, dass die COVID-19-Prognose offensichtlich nicht durch eine vorbestehende DOAC-Therapie beeinflusst wird.

Flam B, Wintzell V, Ludvigsson JF et al. Direct oral anticoagulant use and risk of severe COVID‐19. Journal of Internal Medicine. Published: 01 December 2020.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/joim.13205