Besseres Überleben durch Thromboseprophylaxe bei und nach akuter COVID-19-Erkrankung

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Eine Studie in „The Lancet“ [1] zeigte: Rivaroxaban zur Thromboseprophylaxe nach Hospitalisierung aufgrund einer COVID-19-Infektion kann das Outcome signifikant verbessern. Eine kanadische populationsbasierte Kohortenstudie [2] kommt zu dem Schluss, dass die orale Antikoagulation bei älteren Menschen über 65 Jahren mit positivem SARS-CoV-2-Test das Überleben verbessert und das Hospitalisierungsrisiko senken kann.

Die in Brasilien durchgeführte open-label Multicenterstudie [1] randomisierte 320 Patientinnen und Patienten, die während ihres Krankenhausaufenthalts wegen COVID-19 eine Thromboseprophylaxe mit Heparin in Standarddosierung erhalten hatten. 52% der Studienteilnehmenden waren intensivpflichtig gewesen. 62% wiesen einen IMPROVE-Score von 2–3 sowie erhöhte D-Dimere auf, 38% hatten sogar einen IMPROVE-Score von 4 oder höher.

159 der Patientinnen und Patienten erhielten nach Entlassung für 35 Tage Rivaroxaban (10 mg/Tag) oder keine Antikoagulation. Kombinierte primäre Endpunkte waren eine symptomatische oder fatale venöse Thromboembolie (bestätigt im Doppler-Ultraschall der unteren Extremitäten oder in einer pulmonalen CT-Angiographie), eine symptomatische arterielle Thromboembolie (Myokardinfarkt, ischämischer Schlaganfall und periphere Ereignisse wie „Major Adverse Limb Events“) und kardiovaskulärer Tod am Tag 35. Dieser Endpunkt trat bei 5 Personen (3%) in der Verumgruppe auf und bei 15 (9%) in der Placebogruppe (p=0,029). Unter Therapie mit Rivaroxaban traten nicht vermehrt Blutungen auf, und allergische Reaktionen wurden lediglich bei 1% beobachtet. Die Autorinnen und Autoren der in „The Lancet“ publizierten Studie kommen zu der Schlussfolgerung, dass der Einsatz einer verlängerten Antikoagulation nach Entlassung aus stationärer Behandlung bei Hochrisikopatientinnen und -patienten eine aktive Strategie zur Outcome-Verbesserung darstellt.

Einen positiven Effekt der oralen Antikoagulation belegte auch eine kanadische Kohortenstudie [2]. SARS-CoV-2-positiv getestete Patienten über 65 Jahre, die nicht hospitalisiert werden mussten, profitierten durch eine Antikoagulation (Warfarin oder direkte orale Antikoagulantien, darunter Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran oder Edoxaban) im Hinblick auf die 60-Tage-Mortalität und -Hospitalisierungsrate. Letztere betrug 29,2% bei den antikoagulierten Patientinnen und Patienten und 32,1% bei nicht nicht-antikoagulierten (p=0,005). Auch im Hinblick auf die Sterblichkeit nach 60 Tagen war der Unterschied signifikant (18,6% vs. 20,9%, p=0,005).

[1] Ramacciotti E, Agati LB, Calderaro D et al. Rivaroxaban versus no anticoagulation for post-discharge thromboprophylaxis after hospitalisation for COVID-19 (MICHELLE): an open-label, multicentre, randomised, controlled trial. The Lancet. Published:December 15, 2021

https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)02392-8/fulltext

[2] Abdel-Qadir H, Austin P, Pang A et al. The association between anticoagulation and adverse outcomes after a positive SARS-CoV-2 test among older outpatients: A population-based cohort study Thrombosis Research. 2021 Dec. PMCID: PMC8667561.

https://europepmc.org/article/PMC/PMC8667561

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