Bessere Booster-Impfantwort bei zweiwöchiger Methotrexat-Behandlungspause

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Eine laufende Methotrexat (MTX)-Langzeittherapie nach Booster-Impfung gegen COVID-19 für zwei Wochen zu pausieren, ist wahrscheinlich eine einfache und kosteneffektive Methode, um vulnerable Patientinnen und Patienten mit immunologischen Grunderkrankungen besser vor SARS-CoV-2 zu schützen. Im Vergleich zur fortgesetzten MTX-Gabe führte die Pausierung in einer britischen Studie zu einem nachhaltig besseren humoralen Impfansprechen. Zwar ist eine kurzfristige Beschwerdezunahme im Hinblick auf die Grunderkrankung möglich, diese Schübe konnten die Betroffenen aber in der Regel selbst gut kontrollieren.

Was bereits bei Grippeimpfungen nachgewiesen werden konnte, belegten britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt auch für Booster-Impfungen gegen SARS-CoV-2 [1]: Menschen, die wegen einer rheumatologischen oder dermatologischen Erkrankung niedrig dosiertes Methotrexat (MTX) erhalten, zeigen ein nachhaltig besseres humorales Impfansprechen, wenn MTX nach der Vakzinierung für zwei Wochen pausiert wird. Als immunsuppressiv wirkendes Medikament kann das am häufigsten verordnete krankheitsmodifizierende Antirheumatikum die Antikörperbildung beeinträchtigen.

In einer offenen, randomisiert-kontrollierten Studie wurden vom 30.9.2021 bis zum 3.3.2022 insgesamt 254 seit mindestens drei Monaten mit low-dose-MTX (≤25 mg pro Woche) behandelte Erwachsene aus rheumatologischen und dermatologischen Kliniken in 26 Krankenhäusern im Vereinigten Königreich (UK) randomisiert. Sie waren im Rahmen des UK COVID-Impfprogramms bereits zweimal gegen COVID-19 geimpft worden. Nach der Booster-Impfung pausierte die Hälfte MTX für zwei Wochen, die Übrigen erhielten weiter die wöchentliche Dosis. Nach vier und zwölf Wochen wurden Antikörper gegen die Rezeptorbindende Domäne des SARS-CoV-2-Spike-Proteins (S1-RBD-AK) bestimmt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren im Durchschnitt 59,1 Jahre alt, 61% waren weiblich. 51% hatte eine Rheumatoide Arthritis, 34% eine Psoriasis, mit oder ohne Arthritis. Die meisten waren mit AZ1222 grundimmunisiert und wurden mit BNT162b2 geboostert.

Die S1-RBD-AK-Titer waren mit 22.750 U/ml gegenüber 10.798 U/ml in der Gruppe mit MTX-Pause im geometrischen Mittel nach vier Wochen mehr als doppelt so hoch wie in der Gruppe, die MTX durchgehend einnahm. Der Unterschied war in Woche 12 weiterhin nachweisbar. Das verbesserte humorale Ansprechen war dabei unabhängig von MTX-Wochendosis, Applikationsform, immunologischer Grunderkrankung, Alter oder eventuell bereits durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion. Ernsthafte Nebenwirkungen oder einen Einfluss auf Lebensqualität und allgemeine Gesundheit hatte die MTX-Pause nicht. Allerdings gaben mehr Menschen, die MTX pausierten, vorübergehend eine Zunahme der Krankheitsaktivität und Schübe an, die sie aber im Wesentlichen selbst kontrollieren konnten. Im Aufklärungsgespräch ist der potenzielle Nutzen der MTX-Pause gegen das individuelle Schubrisiko abzuwägen. Dabei sind Krankheitsaktivität und frühere Erfahrungen mit Medikamentenpausen zu berücksichtigen. Menschen mit aktiver Grunderkrankung, die ein Pausieren nicht erlaubt hätte, waren aus der Studie ausgeschlossen.

[1] Abhishek A, Boyton RJ, Peckham N et al. Effect of a 2-week interruption in methotrexate treatment versus continued treatment on COVID-19 booster vaccine immunity in adults with inflammatory conditions (VROOM study): a randomised, open label, superiority trial. Lancet Respir Med 2022, June 27, https://doi.org/10.1016/ S2213-2600(22)00186-2

https://www.thelancet.com/journals/lanres/article/PIIS2213-2600(22)00186-2/fulltext

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