Besonders jüngere Krebspatientinnen und -patienten haben ein erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu sterben

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Gegenüber Menschen ohne Tumorleiden haben Krebs-Erkrankte ein höheres relatives Risiko, an einer SARS-CoV-2-Infektion zu sterben. Besonders hoch ist es bei Jüngeren, Lungenkrebs und hämatologischen Malignomen. Das geht aus einem systematischen Review von 81 bis Mitte Juni 2021 erschienenen Studien mit 61.532 Krebspatientinnen und Krebspatienten sowie einer Metaanalyse von 19 dieser Studien hervor [1]. Unter den Behandlungen ging das höchste Risiko von Chemotherapien aus, Hormontherapien gingen mit dem geringsten therapieassoziierten Sterberisiko einher.

Die Schwächung des Immunsystems, sei es durch die Erkrankung selbst oder durch die Therapie, macht Menschen mit Krebs für respiratorische Infekte und damit auch für COVID-19 anfälliger. Dass Krebspatientinnen und -patienten zu schwereren COVID-19-Verläufen neigen, war bereits bekannt, wobei Studien dazu zum Teil widersprüchliche Ergebnisse erbrachten. Forscherinnen und Forscher aus Großbritannien haben deshalb das Outcome von SARS-CoV-2-Infektionen bei Krebskranken und Kontrollen in einer systematischen Literaturrecherche mit Metaanalyse verglichen und zugleich Unterschiede herausgearbeitet, die sich aufgrund unterschiedlicher Malignome und Krebstherapien ergeben [1]. Eingeschlossen wurden Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien mit jeweils mindestens zehn an Krebs Erkrankten mit SARS-CoV-2-Infektion. Die Metaanalyse zur SARS-CoV-2-Mortalität umfasste insgesamt 3.926 SARS-CoV-2 infizierte Krebskranke und nahezu 39.000 Kontrollen.

Von den rund 59.000 Menschen mit Krebs, die insgesamt ausgewertet wurden, waren 52% Männer. Das mediane Alter reichte von 35 bis 74 Jahren. Im Vergleich zu Menschen gleichen Alters und Geschlechts ohne Krebs hatten an Krebs Erkrankte ein signifikant um 69% höheres relatives Risiko, an einer SARS-CoV2-Infektion zu sterben. Jüngere Menschen waren besonders gefährdet.

Auffällig war eine große Heterogenität der Studien, unter anderem mit unterschiedlichen Schweregrad-Definitionen von COVID-19. Die im einzelnen angegebenen Mortalitätsraten reichten von 4% bis 61%.

Die SARS-CoV-2-Sterberaten (case fatality rates) unterschieden sich zwischen den Tumorarten und betrugen bei Brustkrebs 9%, bei Hautkrebs 10%, bei gynäkologischen Malignomen 12%, bei gastrointestinalen 16%, bei Krebs des Urogenitaltraktes 22%, bei Lungenkrebs 30% und bei hämatologischen Krebsarten 32%. Das relative Risiko, an SARS-CoV-2 zu sterben, war bei hämatologischen Malignomen im Vergleich zu soliden Tumoren um 42% höher. Im Vergleich zu anderen Krebsarten erhöhte Lungenkrebs das Sterberisiko am stärksten – um 68%. Es folgten hämatologische Krebserkrankungen und Krebs des Urogenitaltrakts, wobei das Risiko bei letzterem nur noch numerisch erhöht war, aber nicht mehr signifikant. Brustkrebs und andere gynäkologische Tumoren hatten ein um 49% und 24% verringertes Sterberisiko im Vergleich zu anderen Krebsarten. Von den Menschen, die eine Chemotherapie erhielten, starben insgesamt 30% an SARS-CoV-2, unter Hormontherapie waren es 11%.

[1] Khoury E, Nevitt S, Madsen WR et al. Differences in Outcomes and Factors Associated With Mortality Among Patients With SARS-CoV-2 Infection and Cancer Compared With Those Without Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Netw Open. 2022 May 2; 5(5): e2210880.

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2792066

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