Bei hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie stieg Akutmortalität um 56 Prozent

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Zwölf Prozent der hospitalisierten COVID-19-Patienten und 20 % derer, die deshalb auf der Intensivstation behandelt werden, erleiden, neuen Daten aus den USA zufolge [1], eine Enzephalopathie. Diese wiederum war mit einem signifikant um 24 % erhöhten Mortalitätsrisiko während des stationären Aufenthaltes verbunden. Am höchsten war das Risiko bei der hypoxisch-ischämischen Form. Außerdem war der Klinikaufenthalt bei Enzephalopathie deutlich verlängert, und es war weniger wahrscheinlich, dass die Patienten im Anschluss nach Hause entlassen werden konnten.

In der retrospektiven Beobachtungsstudie [1] wurden Daten von 4.491 COVID-19-Patienten ausgewertet, die zwischen März und Mai 2020 in vier New Yorker Krankenhäusern behandelt wurden. Um etwaige Verfälschungen aufgrund einer Sedierung auszuschließen, wurde eine Enzephalopathie nur dann diagnostiziert, wenn die Symptome ohne Sedierung auftraten oder nach einer angemessenen Auswaschzeit verabreichter Sedativa persistierten.

12 % der Patienten entwickelten eine Enzephalopathie. Sie begann bei 78 % von ihnen unmittelbar vor der Klinikeinweisung. Am häufigsten waren eine septische Enzephalopathie bei 62 %, eine hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE) bei 59 % und eine metabolische Enzephalopathie bei Urämie bei 28 %. 78 % hatten Mischbilder. Signifikante Unterschiede zu COVID-19-Patienten ohne Enzephalopathie waren ein höheres Durchschnittsalter von 76 gegenüber 62 Jahren, eine mit 27 % gegenüber 3 % häufiger vorbestehende Demenz und eine häufigere psychiatrische Vorgeschichte mit 20 gegenüber 10 %. Patienten mit Enzephalopathie mussten mit 37 % versus 29 % häufiger intubiert werden. Mit 7,9 im Vergleich zu sechs Tagen blieben sie durchschnittlich länger im Krankenhaus und wurden seltener nach Hause entlassen: 25 % versus 66 %.

Nach Ausschluss von Patienten, die nur aus pflegerischen Gründen im Krankenhaus waren (6 %), und nach Berücksichtigung anderer Faktoren (Notwendigkeit einer Intubation; SOFA-Score - „Sequential Organ Failure Assessment“) blieben Enzephalopathien mit einem signifikant erhöhten Risiko von 24 % assoziiert, während des Krankenhausaufenthaltes zu sterben. Am höchsten war das Risiko bei Vorliegen einer hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie  mit einer Steigerung um 56 %. Neben Hypoxien – im Median kam es fünfmal zu Sauerstoffentsättigungen unter 88 % – spielten nach Ansicht der Autoren auch episodische Blutdruckabfälle pathogenetisch eine Rolle. Wenngleich dies im Median nur jeweils einmal der Fall war, hatten doch 80 % der Patienten mit hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie mindestens einmal einen arteriellen Mitteldruck unter 65 mm Hg.

[1] Frontera JA, Melmed K, Fang T et al.: Toxic Metabolic Encephalopathy in Hospitalized Patients with COVID-19. Neurocrit Care. 2021 Mar 16:1–14

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33725290/