Bei COVID-19-Pneumonie und neurologischen Symptomen cMRT veranlassen!

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Die Veranlassung einer Schädel-MRT (cMRT) ist bei COVID-19-Pneumonie und neurologischen Symptomen wichtig – auch bei nicht-fokalneurologischen Symptomen und wenn Betroffene niedrige Werte auf der „Glasgow Coma Scale“ (GCS) aufweisen. Diesen Schluss ziehen Radiologinnen und Radiologen aus Saudi-Arabien und dem Sudan aus einer retrospektiven Befundanalyse. Bei 82,6% von 46 Patientinnen und Patienten mit COVID-19-Pneumonie, positiver SARS-CoV-2-PCR und neurologischen Symptomen wiesen sie im cMRT Läsionen nach [1].

In einer cMRT-Studie hat ein saudi-arabisch/sudanesisches Forschungsteam Menschen mit SARS-CoV-2-Pneumonie und neurologischen Symptomen untersucht [1]. Von ursprünglich 62 Patientinnen und Patienten wurden vier aufgrund technischer MRT-Hindernisse und zwölf wegen Hinweisen auf eine andere Genese der Beschwerden ausgeschlossen. Die verbleibenden 46, darunter 33 Frauen und 13 Männer, waren im Mittel 51 Jahre alt. 63% hatten fokalneurologische und 37% nichtfokale Symptome.

Von 29 Betroffenen mit fokalneurologischen Symptomen hatten sieben (24,1%) ein unauffälliges cMRT. Unter den 17 ohne fokale Symptome war es nur einer (5,9%). Betroffene mit fokaler Neurologie hatten hochsignifikant höhere GCS-Werte, im Mittel 13,7, als die ohne fokale Symptome, deren Durchschnittswert bei 8,7 lag. Hinsichtlich der Komorbiditäten – im Mittel 2,1 und 2,3 – gab es zwischen beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede.

Bei 22 Untersuchten wurden akute oder subakute cMRT-Läsionen nachgewiesen, davon acht Territorialinfarkte, jeweils fünf lakunäre Infarkte und zerebrale Hämorrhagien und vier Fälle einer globalen hypoxischen Enzephalopathie. Bei Letzteren handelte es sich um Menschen, die im Rahmen von COVID-19 einen Herzstillstand erlitten hatten.

Bei den älteren festgestellten Läsionen handelte es sich bei neun Betroffenen um alte Lakunen, bei drei um chronische subkortikale mikroangiopathische Veränderungen, bei zwei um alte Territorialinfarkte und bei jeweils einem um Basalganglienverkalkungen und dilatierte Ventrikel.

37 % der Läsionen wurden als relevant eingeschätzt, wobei es sich vorwiegend um rezente Territorialinfarkte in 17,4% und um Hämorrhagien in 10,9% handelte. Hierbei hatten sieben der acht Patientinnen und Patienten mit rezenten Territorialinfarkten fokalneurologische Symptome.

Die vergleichsweise hohe Zahl an rezenten Infarkten und zerebralen Blutungen im Vergleich zu anderen Studien führen die Autorinnen und Autoren auf strenge Auswahlkriterien in ihrer Untersuchung zurück.

Letztlich handelt es sich aber um eine kleine, retrospektive Studie ohne Randomisierung und mit großer Heterogenität der eingeschlossenen Patientinnen und Patienten bezüglich Alter, Geschlecht und Komorbiditäten.

[1] Alonazi B, Farghaly AM, Mostafa MA et al. Brain MRI in SARS-CoV-2 pneumonia patients with newly developed neurological manifestations suggestive of brain involvement. Sci Rep. 2021 Oct 14;11(1):20476. doi: 10.1038/s41598-021-00064-5.

https://www.nature.com/articles/s41598-021-00064-5

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