Bei akuter COVID-19-Erkrankung die Statin-Therapie fortführen!

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Bereits zu Beginn der Pandemie wurden mögliche Effekte einer Statintherapie auf den Verlauf von SARS-CoV-2-Infektionen diskutiert. Eine US-amerikanische Studie [1] zeigte nun, dass die Fortführung einer laufenden Atorvastatin-Gabe bei hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit einer geringeren Sterblichkeit und einer geringeren Rate an Beatmungspflichtigkeit assoziiert war. Das Autorenteam rät dazu, eine vorbestehende Statintherapie während der Akuterkrankung fortzuführen. Eine schwedische Studie [2] zeigte, dass auch die Fortführung einer Östrogentherapie bei postmenopausalen Frauen zu einer geringeren COVID-19-Sterblichkeit führte.

Eine aktuelle Studie aus Nashville, USA, wertete die Daten von 146.413 COVID-19-Patientinnen und -Patienten aus, die wegen der Infektion hospitalisiert werden mussten. Die Studienteilnehmenden wurden in drei Gruppen unterteilt: (1) jene, die zu Hause und im Krankenhaus Atorvastatin erhalten hatten (n=26.843), (2) jene, die zu Hause mit Atorvastatin behandelt worden waren, aber nicht während ihres Klinikaufenthaltes (n=7.631), und (3) jene, die weder zu Hause noch im Krankenhaus Atorvastatin erhielten (n=111.939). Analysiert wurde, welche Assoziation zwischen der Statingabe und Sterblichkeit sowie der SARS-CoV-2-induzierten Beatmungspflichtigkeit bestand.

Patientinnen und Patienten, bei denen die Atorvastatingabe während des Krankenhausaufenthaltes fortgeführt worden war, wiesen im Vergleich zu jeden, bei denen die Therapie unterbrochen wurde, eine um 38 % geringere Sterblichkeit auf (p < 0,001). Auch im Vergleich zu den Patientinnen und Patienten ohne Statintherapie war die Mortalität um 28 % reduziert (p < 0,001).

Ähnlich hoch war der Vorteil einer kontinuierlichen Gabe des Statins in Bezug auf die Beatmungspflichtigkeit: Diese war im Vergleich zur „Unterbrecher-Gruppe“ um 30% reduziert und im Vergleich zur unbehandelten Gruppe um 24% (p < 0,001). Das Autorenteam empfiehlt daher die Fortsetzung einer laufenden Statinbehandlung bei stationären Aufenthalten aufgrund von COVID-19.

Mögliche Vorteile einer Statintherapie waren bereits in der frühen Phase der Therapie diskutiert worden – wir berichteten. Demzufolge könnten Statine antiinflammatorische und immunmodulatorische Wirkungen haben. Statine hemmen möglicherweise auch die SARS-CoV2-Infektiosität durch eine direkte Bindung und Hemmung der viralen Hauptprotease von Coronaviren. Auch könnten Statine die Entzündungskaskade durch Aktivierung des Signalweges über TLR-4 („toll like receptor“) / MyD88 („myeloid differentiation factor 88“ / nf-kappa-B unterbrechen. Bislang fehlt allerdings der Beleg für den therapeutischen Einsatz von Atorvastatin bei COVID-19.

Eine Auswertung einer großen schwedischen Kohortenstudie [2] mit 49.853 Frauen, die an COVID-19 erkrankt waren, zeigte, dass auch die pharmakologische Östrogengabe bei postmenopausalen Patientinnen zu einer geringeren Sterblichkeit führte.

[1] Andrews, L, Goldin, L, Shen, Y, et al. Discontinuation of atorvastatin use in hospital is associated with increased risk of mortality in COVID-19 patients. J Hosp Med. 2022; 1- 7

https://shmpublications.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/jhm.12789

[2] Sund M, Fonseca-Rodríguez O, Josefsson A, Welen K, Fors Connolly AM. Association between pharmaceutical modulation of oestrogen in postmenopausal women in Sweden and death due to COVID-19: a cohort study. BMJ Open. 2022 Feb 14;12(2):e053032

https://bmjopen.bmj.com/content/12/2/e053032

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