Behandlung des pädiatrischen multisystemischen Inflammationssyndromes bei COVID-19

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Ein Editorial [1] berichtet über die pädiatrische COVID-19-Komplikation „MIS-C“ („multisystem inflammatory disease in children“) und widersprüchliche Therapiestudien zur Immunmodulation. So verbesserte die Kombination von Glukokortikoiden plus Immunglobulinen in einer Studie das Outcome gegenüber Glukokortikoiden als Monotherapie; eine andere Studie fand keine Vorteile für die Kombinationstherapie. Die möglichen Gründe für diese Unterschiede sind vielfältig – Konsens besteht jedoch grundsätzlich über die Notwendigkeit des schnellen Beginns einer immunsuppressiven bzw. immunmodulatorischen Behandlung.

Im Rahmen der COVID-19- Pandemie wird ein multisystemisches Inflammationssyndrom (MIS-C) bei Kindern beschrieben, fast 4.000 Fälle und 35 Todesfälle wurden aus den USA berichtet (wir berichteten). Unter Experten weltweit besteht Konsensus hinsichtlich der Notwendigkeit einer zügigen Behandlung mit Immunglobulinen (IVIG), Glukokortikoiden und/oder Biologika. Die Datenlage zur Differentialtherapie (z. B. möglichen Kombinationstherapien) ist jedoch nicht einheitlich: Das „Overcoming COVID-Konsortium“ [2] berichtet nun von 518 Patienten/Patientinnen aus 58 US-amerikanischen Kliniken (März bis Oktober 2020), die mit IVIG plus Glukokortikoiden gegenüber IVIG allein ein niedrigeres Risiko für kardiovaskulärer Dysfunktionen hatten und weniger vasopressorische Unterstützung benötigten. Das BATS-Konsortium („International Best Available Treatment Study“) [3] fand bei über 614 Patientinnen/Patienten aus 32 Ländern (Juni 2020 bis Februar 2021) keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Endpunkte Verlauf, Beatmung, und Sterblichkeit für drei Behandlungsregimes (IVIG alleine versus IVIG plus Glukokortikoide versus Glukokortikoide alleine) gezeigt.

Die Autoren und Autorinnen diskutieren Gründe für diese widersprüchlichen Ergebnisse wie uneinheitliche Patientenpopulationen (genetische Hintergründe) oder die Studienzeiträume: So schloss die US-Studie nur Patienten der ersten Welle ein; die BATS-Studie umfasst Patienten vor und nach dem Auftreten von Virusvarianten bis hin zur dritten Welle. Verschiedene Virusstämme könnten mit unterschiedlichen MIS-C-Verläufen assoziiert sein. Auch gab es Unterschiede in der Statistik, der Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren und den Kriterien für die Initiierung einer immunmodulatorischen Behandlung.

Die Studien waren auch nicht darauf angelegt, eine Evaluierung neuerer Substanzen zu erlauben, wie Therapien mit Biologika (z. B. Anakinra und Infliximab), die ebenfalls gegeben worden waren. Künftig seien große, gut charakterisierte prospektive, randomisiert kontrollierte Kohortenstudien zur Sicherheit und Wirksamkeit unterschiedlicher Behandlungsregimes mit allen Substanzen erforderlich. Die Fortsetzung der internationalen Zusammenarbeit soll hier einen wertvollen Beitrag leisten können.

[1] DeBiasi RL. Immunotherapy for MIS-C - IVIG, Glucocorticoids, and Biologics. N Engl J Med 2021 Jun 16.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMe2108276

[2] Son MBF, Murray N, Friedman K et al. Multisystem inflammatory syndrome in children — initial therapy and outcomes. N Engl J Med 2021 Jun 16.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2102605

[3] McArdle AJ, Vito O, Patel H et al. Treatment of multisystem inflammatory syndrome in children. N Engl J Med 2021 Jun 16.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2102968

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