Auswirkungen des Lockdowns auf Patientinnen und Patienten mit primären Kopfschmerzen

Eine in Deutschland durchgeführte Studie [1] untersuchte, welche Auswirkungen der Lockdown auf Patientinnen und Patienten mit primären Kopfschmerzerkrankungen hatte. Es wurden die Einträge der Studienteilnehmenden in ein digitales Kopfschmerztagebuch analysiert. Zwar gaben viele eine anfängliche Stressreduktion durch den Lockdown an, aber es gab keine langfristigen positiven Auswirkungen auf die primären Kopfschmerzerkrankungen. Eine ähnliche Erhebung [2], die in Italien an Patientinnen/Patienten mit Migräne durchgeführt wurde, ergab, dass womöglich die Stressreduktion durch die Arbeit im Homeoffice positive Effekte hatte.

Am 22. März 2020 wurde in Deutschland aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie erstmals ein Lockdown verhängt. Eine Studie [1] untersuchte, welche Auswirkungen dieser auf Patientinnen und Patienten mit primären Kopfschmerzerkrankungen hatte. Es wurden die Daten derjenigen ausgewertet, die ein digitales Kopfschmerztagebuch mit der App „M-sense“ führten und die in den 28 Tagen vor dem Lockdown sowie in den ersten 28 Tag des Lockdowns regelmäßig ihre Daten eingepflegt hatten. Insgesamt konnten die Daten von 2.325 App-Nutzerinnen und -Nutzern ausgewertet werden. Analysiert wurden mögliche Veränderungen im Hinblick auf die monatlichen Kopfschmerztage, die monatlichen Migränetage, der akuten Bedarfsmedikation und der Schmerzintensität. Außerdem wurde erfasst, ob sich Schlafdauer, Schlafqualität, Lebensenergie, Gemütszustand, Stress- und Aktivitätslevel im Lockdown verändert hatten.

Im Ergebnis zeigte sich, dass es keinen signifikanten Unterscheid im Hinblick auf die Kopfschmerztage gab (7,01 ± 5,64 vor dem Lockdown vs. 6,89 ± 5,47 währenddessen, p>0,999). Auch in Bezug auf die monatlichen Migränetage und die Schmerzintensität konnte kein Unterschied festgestellt werden. Allerdings hatte sich die Anzahl der Tage, an denen die Betroffenen eine Akuttherapie benötigten, signifikant reduziert – von 4,50 ± 3,88 auf 4,27 ± 3,81 (p < 0.001). Auch gaben die App-User einen geringeren Stress- und Aktivitätslevel an sowie längere Schlafzeiten, bessere Laune und mehr Energie.

In einer weiterführenden Analyse der Daten von 439 der Nutzerinnen und Nutzer wurden die monatlichen Kopfschmerztage, die monatlichen Migränetage, die akute Bedarfsmedikation und die Schmerzintensität dann erneut nach drei Monaten erhoben und mit den Ausgangswerten von vor dem Lockdown verglichen. Es zeigte sich, dass es keinerlei Unterschiede gab, auch nicht mehr in Bezug auf die Akutmedikation. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass die anfängliche Stressreduktion durch den Lockdown keine langfristigen Auswirkungen auf die primären Kopfschmerzerkrankungen hatte.

Eine ähnliche Studie [2] war in Italien durchgeführt worden; hier wurden Migränepatientinnen und-patienten mittels eines E-Mail-Fragebogens befragt. 92 Betroffene nahmen an der Umfrage teil. Die Attackenhäufigkeit war bei 40,2% der Befragten während des Lockdowns konstant geblieben, bei 33,7% hatte sie sich erhöht, bei 26,1% reduziert. Die Dauer der Attacken war bei 55,4% gleichgeblieben, bei 23,9% war sie länger geworden, bei 20,7% hatte sie sich verkürzt. Der Migräneschmerz war bei 65,2% gleich oder vermindert, bei 34,8% hatte die Schmerzintensität zugenommen. Die Wirksamkeit der Migränemedikamente gaben 73,9% der Befragten mit gleich gut an, 17,4% nahmen sie als vermindert wahr, 8,7% als verbessert. Zusammenfassend hatte der Lockdown bei ca. der Hälfte der Patientinnen und Patienten keinerlei Auswirkungen, bei einem Viertel führte er zu Verbesserungen, bei einem anderen Viertel zu Verschlechterungen. Die Arbeitsgruppe analysierte auch Faktoren, die auf die Migräne Einfluss nehmen: Interessant war die Erkenntnis, dass die Patientinnen/Patienten, die im Homeoffice arbeiteten, weniger Medikamente benötigten, eine geringere Schmerzintensität hatten sowie eine kürzere Attackendauer. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass das Arbeiten im Homeoffice ein möglicher Weg sein könnte, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

[1] Raffaelli, B., Mecklenburg, J., Scholler, S. et al. Primary headaches during the COVID-19 lockdown in Germany: analysis of data from 2325 patients using an electronic headache diary. J Headache Pain 22, 59 (2021).

https://thejournalofheadacheandpain.biomedcentral.com/articles/10.1186/s10194-021-01273-z

[2] Currò, C.T., Ciacciarelli, A., Vitale, C. et al. Chronic migraine in the first COVID-19 lockdown: the impact of sleep, remote working, and other life/psychological changes. Neurol Sci (2021).

https://link.springer.com/article/10.1007/s10072-021-05521-7

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