Auch nach VITT wird zur Fortsetzung der Impfserie geraten

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Medizinerinnen und Mediziner von der UK Health Security Agency und der Universität Oxford raten auch Menschen mit stattgehabter Vakzine-induzierter immunogener thrombotischer Thrombozytopenie (VITT) dazu, ihren COVID-19-Impfstatus zu vervollständigen. Die Nachbeobachtung [1] von 40 VITT-Patientinnen und -Patienten, die sich erneut gegen SARS-CoV-2 impfen ließen, ergab bei keinem und keiner der Betroffenen Hinweise auf ein VITT-Rezidiv – egal, welcher Impfstoff bei der zweiten Gabe verwendet wurde.

40 Menschen, von denen 26 eine bestätigte, zwei eine wahrscheinliche und zwölf eine mögliche VITT nach der ersten Impfung gegen COVID-19 mit ChAdOx1 nCOV-19 (AstraZeneca) bekommen hatten, danach aber trotzdem eine weitere Impfdosis erhielten, wurden im Auftrag der britischen Gesundheitsbehörde von ihren Hausärzten nachbeobachtet [1]. Sie waren 21 bis 76 Jahre alt, 25 waren Frauen. Fünf erhielten eine weitere Dosis ChAdOx1 nCOV-19, zwei erhielten mRNA-1273 (Moderna) und mit 33 die meisten BNT162b2 (Pfizer/BioNTech).

Vornehmlich nach COVID-19-Impfungen mit Vektorvakzinen wurden seltene thrombotische Ereignisse an zum Teil ungewöhnlichen Lokalisationen beobachtet, beispielsweise Sinus-, Hirnvenen- oder Pfortader-Thrombosen. Ein ähnlich der Heparin-induzierten Thrombopenie über Antikörper gegen Plättchenfaktor 4 (anti-PF4) vermittelter Pathomechanismus als Ursache der VITT wurde erstmals im April 2021 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Greifswald nachgewiesen – wir berichteten.

Daraus, dass in der aktuellen Untersuchung, unabhängig von der jeweils verwendeten Vakzine, niemand erneut VITT-Symptome entwickelte, schließen die Autorinnen und Autoren, dass letztlich wohl kein Zusammenhang zwischen einer VITT und der Immunantwort gegen das Spike-Protein besteht. Zumal anti-PF4-Antikörper nach den Erkenntnissen einer weiteren Greifswalder Studie [2] offenbar nicht mit Epitopen auf dem Spike-Protein interagieren und sie auch unabhängig von der Antikörperantwort auf das Spike-Protein gebildet werden. Außerdem werden, wie ebenfalls bereits berichtet, die pathogenen anti-PF4-Antikörper bei den meisten VITT-Patientinnen und -Patienten im Median innerhalb von zwölf Wochen abgebaut.

[1] Lacy J, Pavord S, Brown KE. VITT and Second Doses of Covid-19 Vaccine. N Engl J Med. 2021 Dec 22.

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2118507

[2] Greinacher A, Selleng K, Mayerle J et al. Immune-Response in COVID-19 Vaccination Study Group. Anti-platelet factor 4 antibodies causing VITT do not cross-react with SARS-CoV-2 spike protein. Blood. 2021 Oct 7;138(14):1269-1277.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8294553

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