Arthralgien bei COVID-19 als mögliche neue Virusmanifestation

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Eine Kohortenstudie analysierte verschiedene COVID-19-assoziierte muskuloskelettale Symptome. Diese waren in der untersuchten Kohorte mit fast einem Drittel insgesamt häufig. Die Autoren beobachteten Arthralgien als eigenständige klinische COVID-19-Manifestation unabhängig von der sonstigen Symptomatik. Das Auftreten muskuloskelettaler Beschwerden war nicht mit einem höheren Risiko für COVID-19-assoziierte Pneumonie assoziiert.

Analysiert wurde ein COVID-19-Ausbruch in einem Arbeiterwohnheim in Singapur, das mediane Alter der Männer betrug 36 Jahre (IQR 30-45). Von 294 stationär behandelten Patienten berichteten 88 (30%) über Muskel- und/oder Gelenkbeschwerden. Die Beschwerden wurden unterschieden in Myalgien (in 37,5%), Arthralgien (5,7%), neu aufgetretene Rückenschmerzen (6,8%) und Ganzkörperschmerzen (50%). Nur ein Patient der Kohorte hatte vorbestehend eine rheumatische Erkrankung, er entwickelte während der COVID-19-Erkrankung keine muskuloskelettalen Symptome.

Im Gegensatz zu den anderen Schmerzformen hatten Arthralgien einen variablen Beginn, waren stärker ausgeprägt, zeigten jedoch keine lokalen Entzündungszeichen wie Schwellung oder Rötung. Die Gelenkbeteiligung war ganz unterschiedlich (Oligo-, Mono- und Polyarthralgien, große sowie kleine Gelenke, symmetrisch oder unilateral). Im Unterschied zu den Gelenkschmerzen traten Myalgien stets mit Fieber und respiratorischen Symptomen auf. Ursächlich wird hier die Zytokinfreisetzung angenommen.

Im Verlauf unterschied sich das Risiko, eine virale Pneumonie zu entwickeln, in den Gruppen mit und ohne muskuloskelettale Symptomatik nicht signifikant (6,8% versus 9,7%, OR 0,68; p=0,4), obwohl das CRP bei Patienten mit muskuloskelettaler Symptomatik initial etwas höher war (4,2 versus 2,5 mg/l; p<0,05). Sonstige Laborparameter waren in beiden Gruppen vergleichbar.

Die Autoren konstatieren, dass eine muskuloskelettale Symptomatik in der COVID-19-Kohorte mit fast einem Drittel insgesamt häufig war. Arthralgien werden als eigenständige neue klinische COVID-19-Manifestation gewertet. Zu beachten sei, dass Arthralgien im Gegensatz zu Myalgien unabhängig von Fieber und respiratorischen Symptomen auftreten und daher als COVID-19-Manifestation vermutlich unterdiagnostiziert bzw. als Hinweis auf eine SARS-CoV-2-Infektion übersehen werden könnten.

[1] Hoong CWS, Amin MNME, Tan TC et al. Viral arthralgia a new manifestation of COVID-19 infection? A cohort study of COVID-19-associated musculoskeletal symptoms. Int J Infect Dis 2021 Jan 18: S1201-9712(21)00043-6.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7813485/

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