Antiphospholipid-Antikörper als mögliche Ursache von Koagulopathien bei COVID-19-Patienten

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Eine Arbeit aus China beschreibt den Nachweis von Antiphospholipid-Antikörper als seltene Ursache einer klinisch bedeutsamen Koagulopathie mit multiplen Infarkten bei Intensivpatienten mit COVID-19.

Ein 69-jähriger Patient mit Hypertonus, Diabetes mellitus und Schlaganfallanamnese wurde mit Fieber, Husten und Dyspnoe, Diarrhoe und Kopfschmerzen aufgenommen. Nach Bestätigung der SARS-CoV-2-Infektion wurde er zunächst supportiv behandelt, musste dann aber im Verlauf invasiv beatmet werden. 18 Tage nach Erkrankungsbeginn zeigten sich ischämische Komplikationen an beiden Beinen sowie an drei Fingern einer Hand. Im zerebralen CT fielen außerdem bilaterale multiterritoriale Infarkte auf. Paraklinisch bestanden eine Leukozytose und Thrombopenie, ein Anstieg von Prothrombin, Fibrinogen und der D-Dimere sowie der partiellen Thromboplastinzeit. Antikörper (IgA, IgG) gegen β2-Glykoprotein-I und Kardiolipin waren nachweisbar, jedoch kein Lupus-Antikoagulans.

Zwei weitere Patienten mit ganz ähnlichen Befunden werden ebenfalls in dieser Arbeit beschrieben.

Ein Antiphospholipid-Syndrom kann demnach bei kritisch kranken Patienten mit SARS-CoV-19-Infektion auftreten. Es muss daher bei Intensivpatienten mit multifokaler Thrombosierung in die Differenzialdiagnose (z. B. disseminierte intravasale Gerinnung, heparininduzierte Thrombozytopenie, thrombotische Mikroangiopathie) einbezogen werden

Zhang Y, Xiao M, Zhang S et al. Coagulopathy and Antiphospholipid Antibodies in Patients with COVID-19 N Engl J Med 2020 Apr 23; 382(17): e38 https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2007575