Antikoagulation war mit einer geringeren Mortalitätsrate und Rate der Beatmungspflichtigkeit assoziiert

(c) iStock/Thomas-Soellner

Viele Studien haben gezeigt, dass das Risiko für thrombembolische Ereignisse bei COVID-19-Patienten erhöht ist. Dennoch ist die Antikoagulation gewissermaßen ein Vabanquespiel: Sie senkt das Risiko ischämischer Ereignisse, kann aber das Risiko für Blutungen erhöhen. Eine aktuelle, retrospektive Auswertung, publiziert im „Journal of the American College of Cardiology“, zeigt nun, dass womöglich doch der Nutzen der Therapie bei hospitalisierten COVID-19-Patienten überwiegt.

Untersucht wurden 4.389 Patienten, medianes Alter war 65 Jahre, 44% waren weiblich. 34,9% hatten keine Antikoagulation erhalten, 20,5% eine therapeutische und 44,6% eine prophylaktische. Im Vergleich zu keiner Therapie waren beide Antikoagulationstherapien mit einer geringeren Krankenhausmortalität (aHR: 0,53) und einer geringeren Intubationsrate (aHR: 0,69) assoziiert. Wenn die Therapie innerhalb von 48 Stunden nach Aufnahme erfolgte, gab es keinen statistischen Unterschied im Therapieergebnis zwischen der therapeutischen und prophylaktischen Antikoagulation.

Insgesamt traten bei 89 (2%) der Patienten schwere Blutungen auf, bei 3% der Patienten in der Gruppe, die therapeutisch antikoaguliert wurde, bei 1,7% der Patienten unter prophylaktischer Antikoagulation und bei 1,9% der Patienten, die keine Antikoagulation erhalten hatten.

Interessanterweise zeigte die Autopsie von 26 verstorbenen Patienten der Kohorte, dass bei elf (42%) thrombembolische Ereignisse vorlagen.

Nadkarni G, Lala A, Bagiella E et al. Anticoagulation, Mortality, Bleeding and Pathology Among Patients Hospitalized with COVID-19: A Single Health System Study. Journal of the American College of Cardiology

August 2020. https://www.onlinejacc.org/content/early/2020/08/24/j.jacc.2020.08.041