Anosmie ist ein prognostischer Marker für einen milderen COVID-19-Verlauf

Eine Ende Juli in „Annals of Allergy, Asthma and Immunology“ publizierte Arbeit zeigt, dass der vorübergehende Verlust des Geruchssinns mit einem milderen Verlauf von COVID-19-Erkrankungen assoziiert war: er korrelierte mit einer geringeren Hospitalisierungsrate, Rate an Intensivpflichtigkeit und Intubationsrate. Interessanter Nebenbefund der Studie: COVID-19 ist höchstwahrscheinlich nicht mit einer permanenten Anosmie assoziiert.

In einer US-amerikanischen Studie wurden die Daten von 949 Patienten analysiert, um die Assoziation zwischen Anosmie und verschiedenen Variablen (demographische Daten, Komorbiditäten und Behandlungsergebnis) zu evaluieren. 55,2% der Patienten waren weiblich und das durchschnittliche Alter betrug in dieser Kohorte 48 Jahre.

198 (20,9%) Patienten klagten bei Erstuntersuchung auf COVID-19 über eine Anosmie. Der Verlust des Geruchssinns trat signifikant häufiger auf bei jüngeren Patienten (Durchschnittalter 46 vs. 49 Jahre, p=0,02), Betroffenen mit einem höheren BMI (33,6 vs. 31,5, p=0,001) und bei Frauen (67% in der Gruppe, die unter Anosmie litten, waren weiblich vs. 52,8% in der Gruppe ohne Geruchssinneinschränkung, p=0,003). Bei Patienten mit vorbestehender allergischer Rhinitis oder chronischer Rhinosinusitis war das Risiko, in Folge einer SARS-CoV-2-Infektion eine Anosmie zu entwickeln, signifikant erhöht.

Im Ergebnis zeigte sich, dass der Verlust des Geruchssinns mit einer signifikant geringeren Hospitalisierungsrate (OR: 0,69), einer geringeren Rate an Intensivpflichtigkeit (OR: 0,38), Intubationsnotwendigkeit (OR: 0,43) oder akutem Lungenversagen (OR: 0,45) verbunden war. Das Auftreten einer Anosmie war somit ein positiver prognostischer Faktor für einen milderen Verlauf. Die Autoren verweisen auf kleinere Studien, die bereits gezeigt hatten, dass Anosmie mit weniger Hospitalisierungen einherging. Dennoch heben sie als Limitation ihrer Auswertung hervor, dass es sich um eine rein retrospektive Analyse handelte.

Ein interessantes Nebenergebnis war, dass COVID-19 nach Ansicht der Autoren nicht mit einer anhaltenden Anosmie assoziiert ist. Sie verweisen auf eine Studie, der zufolge sich der Geruchssinn nach Abklingen der Viruserkrankung in der Regel wieder normalisierte.

Foster KJ, Jauregui E, Tajudeen B et al. Smell loss is a prognostic factor for lower severity of COVID-19. Ann Allergy Asthma Immunol. 2020 Jul 24.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7380219/