Amantadin und Memantin schützen möglicherweise vor COVID-19

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Es gibt zunehmend Daten, die nahelegen, dass Adamantane, unter anderem in Amantadin und Memantin, einen protektiven Effekt gegen COVID-19 haben könnten. Passend zu verschiedenen in vitro-Befunden zeigt eine polnische Fallserie von 22 SARS‐CoV-2-positiven Patienten, die wegen neurologischer Grunderkrankungen auf Amantadin oder Memantin eingestellt waren, dass kein einziger von ihnen schwer an COVID-19 erkrankte.

Es ist bekannt, dass die molekulare Struktur von Adamantanen mit Viroporin interferiert, dem viralen Protein, das für die Freisetzung replizierter Viren (z. B. Coronaviren, HCV, HIV, Influenza) aus infizierten Zellen verantwortlich ist. Für verschiedene Adamantan-haltige Substanzen ist eine moderate antivirale Wirkung belegt – unter anderem gegen frühere humane Coronaviren. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass Amantadin die Expression des CTSL-Gens herabreguliert, welches das lysosomale Kathepsin kodiert, das an der SARS-CoV-2-Aufnahme in Zellen verantwortlich ist.

In der vorliegenden Fallserie wurde mittels Fragebögen der Verlauf von SARS-CoV-2-Infektionen bei Patienten, die Adamantan-haltige Substanzen seit mindestens drei Monaten einnahmen, erfasst.  Grunderkrankungen waren Multiple Sklerose (n=10, mittleres Alter 38 Jahre), M. Parkinson (n=5, mittleres Alter 68 Jahre) und Demenz (n=7, mittleres Alter 71 Jahre). Die beiden ersten Gruppen erhielten Amantadin, die dritte Memantin neben weiteren Medikamenten. Alle Patienten hatten positive Rachenabstriche/PCR und mussten 14 Tage in Quarantäne bleiben. Sie wurden laborchemisch sowie telefonisch überwacht. Das Erstaunliche: Keiner von ihnen entwickelte COVID-19-Symptome oder Veränderungen im neurologischen Status. Die Autoren sind sich der Limitationen einer solchen Fallserien-Studie bewusst, dennoch plädieren sie dafür, den möglichen antiviralen Effekt Adamantan-haltiger Substanzen weiter zu untersuchen.

Rejdak K, Grieb P. Adamantanes might be protective from COVID-19 in patients with neurological diseases: multiple sclerosis, parkinsonism and cognitive impairment. Mult Scler Relat Disord 2020 Apr 30; 42: 102163 . doi: 10.1016/j.msard.2020.102163. [Epub ahead of print]; https://doi.org/10.1016/j.msard.2020.102163 (20)30239-X/fulltext