Alter und Schweregrad bestimmen die Prognose der impfassoziierten transversen Myelitis

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In einem systematischen Review von insgesamt 31 Fällen einer akuten transversen Myelitis (ATM) nach COVID-19-Impfung erwiesen sich ein höheres Lebensalter und ein modifizierter Rankin Score (mRS) >3 bei Aufnahme als unabhängige Risikofaktoren für einen ungünstigen Krankheitsverlauf [1]. Solche Patientinnen und Patienten bedürfen einer raschen und aggressiven Therapie.

Im Rahmen eines systematischen Reviews wurden Daten aus insgesamt 28 Studien ausgewertet [1]. Die 31 Betroffenen, 17 Frauen und 14 Männer, waren im Mittel 52 Jahre alt. Zwölf von ihnen hatten die Vektor-basierte Vakzine ChAdOx1nCoV-19 erhalten, acht waren mit der mRNA-Vakzine BNT162b2, sieben mit mRNA-1273, drei mit dem Impfstoff von Sinopharm und eine Person mit dem Impfstoff von Janssen geimpft worden. Die Mehrzahl (n = 24) der ATM traten nach der ersten und 7 nach der zweiten Impfdosis auf. Während der zeitliche Abstand zwischen Impfung und Beginn der neurologischen Symptome dem zwischen COVID-19-Infektion und infektassoziierter ATM ähnelte, war der Abstand vom Symptombeginn bis zur maximalen Behinderung mit sieben gegenüber nur zwei Tagen bei ATM nach Impfung länger als nach Infektion. 21 von 31 Patientinnen und Patienten erholten sich gut und hatten bei Nachuntersuchung während des stationären Aufenthaltes bis spätestens zwei Wochen danach einen mRS von <3. Zehn hatten weiter einen Wert >3. Ein mRS >3 bei Aufnahme – der Mittelwert lag bei 3,7 – erhöhte das Risiko für eine schlechte Erholung nahezu 18-fach. Das Symptomspektrum war unterschiedlich: 6% hatten rein motorische, 13% rein sensorische und 23% sensomotorische Symptome. Sphinkter-Störungen lagen vorwiegend bei sensomotorischen Symptomen vor (52%), in jeweils 3% kombinierten sich nur motorische oder sensorische Symptome mit Sphinkter-Störungen.

Das Ausmaß der MRT-Befunde unter Berücksichtigung von Gadolinium-Anreicherung, Länge und Ausdehnung der spinalen Läsionen schien die Prognose nicht zu beeinflussen. ATM nach Impfung verliefen insgesamt weniger schwer als die publizierten Fälle einer ATM bei COVID-19-Erkrankung. Auch ist die Frequenz der ATM bei COVID-19-Erkrankung mit einer Inzidenz von 0,5/Million/Jahr deutlich höher als nach Impfung.

[1] Ostovan VR, Sahraian MA, Karazhian N et al. Clinical characteristics, radiological features and prognostic factors of transverse myelitis following COVID-19 vaccination: A systematic review. Mult Scler Relat Disord. 2022 Jul 6;66:104032

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2211034822005405

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