Akuter Myokardinfarkt und ischämischer Schlaganfall bei COVID-19

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Eine schwedische Studie mit fast 90.000 COVID-19-Patientinnen und -Patienten bestätigte die SARS-CoV-2-Infektion als kardiovaskulären Risikofaktor mit einer Inzidenzrate (IRR) von 8,44 für akute Myokardinfarkte und eine IRR für ischämische Schlaganfällen 6,18 für die Zeit direkt nach dem Erkrankungsbeginn. Gerade das frühe Auftreten dieser Ereignisse bei COVID-19 scheint ein Hinweis darauf zu sein, dass sie per se zum klinischen Bild von COVID-19 gehören können.

Die Studie quantifizierte das Risiko für akute Myokardinfarkte und ischämische Schlaganfälle im Zusammenhang mit COVID-19 anhand sämtlicher COVID-19-Fälle von Februar bis September 2020 in Schweden. Die Daten wurden in einer SCCS-Studie („self-controlled case series“) und einer gematchten Kohortenstudie erfasst. Zunächst wurde die Fallserie von 86.742 COVID-19-Patientinnnen und -Patienten analysiert, dann dieses Kollektiv mit 348.481 gematchten Kontrollen verglichen. Anhand von Identifikationsnummern wurden alle von COVID-19 Betroffenen in nationalen Registern erfasst (stationäre, ambulante sowie Krebs- und Sterberegister). Anhand der ICD-Nummern für akuten Myokardinfarkt und ischämischen Schlaganfall wurde die Inzidenzrate (IRR) für den ersten Myokardinfarkt oder ischämischen Schlaganfall im Zusammenhang mit COVID-19 berechnet. Der Beginn der COVID-19-Symptomatik war als Tag 0 der Studienperiode definiert.

Für einen Myokardinfarkt ergab sich (bei Ausschluss von Tag 0) eine IRR von 2,89 in Woche 1 und 2,53 in Woche 2. In Woche 3 und 4 betrug die IRR jeweils noch 1,6. Bei Einschluss von Tag 0 in der Studienperiode betrug die IRR 8,44 in der ersten; 2,56 in der zweiten und 1,62 in der dritten und vierten Woche. Die entsprechenden IRRs für ischämische Schlaganfälle waren (bei Ausschluss von Tag 0) 2,97; 2,80 und 2,10 – sowie (bei Einschluss von Tag 0) 6,18; 2,85 und 2,14.

In der hinsichtlich Alter, Geschlecht und Region gematchten Kohortenstudie wurden die kardiovaskulären Ereignisse bei den COVID-Patientinnen und -Patienten mit den Kontrollen verglichen und das Risiko ermittelt, innerhalb der ersten zwei Wochen einen Myokardinfarkt oder ischämischen Schlaganfall zu erleiden. Gegenüber der Normalpopulation lag die OR (odds ratio) für einen Myokardinfarkt in den zwei Wochen nach Tag 0 bei 3,41 bzw. für einen Schlaganfall bei 3,63. Einschließlich Tag 0 lag die OR bei 6,61 (Myokardinfarkt) bzw. 6,74 (Schlaganfall).

Das Autorenteam sieht COVID-19 als Risikofaktor für akute Myokardinfarkte und ischämische Schlaganfälle bestätigt und wertet die Ergebnisse als zusätzlichen Hinweis darauf, dass diese vaskulären Ereignisse auch ein Frühsymptom von COVID-19 sein können.

Katsoularis I, Fonseca-Rodríguez O, Farrington P et al. Risk of acute myocardial infarction and ischaemic stroke following COVID-19 in Sweden: a self-controlled case series and matched cohort study. Lancet 2021 Aug 14; 398 (10300): 599-607

https://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(21)00896-5.pdf

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