Akute ischämische Schlaganfälle bei COVID-19: eine Analyse von 27.676 Patienten

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Das Auftreten von Schlaganfällen bei COVID-19 war bisher nicht systematisch untersucht worden. Eine große Kohortenstudie verglich nun drei Patientengruppen [1]: „COVID-19 mit Schlaganfall“, „COVID-19 ohne Schlaganfall“ und „Schlaganfall ohne COVID-19“ und zeigte unter anderem, dassdas Auftreten eines Schlaganfalls bei COVID-19-Patienten zwar selten ist, die Wahrscheinlichkeit, nach einem zerebrovaskulären Ereignis nicht nach Hause entlassen werden zu können oder zu versterben, sich jedoch verdoppelte.

Analysiert wurden retrospektive Daten aus 27.676 elektronischen Patientenakten („Cerner Real-World Data; COVID-2020 Q2 version”) von 54 klinischen Einrichtungen der USA. Enthalten waren Patienten, bei denen sich eine SARS-CoV-2-Infektion bestätigt hatte, und Patienten, bei denen zunächst der Verdacht bestand, COVID-19 aber ausgeschlossen worden war. Von den 8.163 bestätigten COVID-19-Patienten hatten 103 (1,3%) einen akuten ischämischen Schlaganfall – gegenüber 199 (1%) der 19.513 Patienten ohne COVID-19.

COVID-19-Patienten mit Schlaganfall hatten signifikant häufiger Komorbiditäten wie Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz als COVID-19-Patienten ohne Schlaganfall. COVID-19-Patienten mit Schlaganfall verstarben auch häufiger als COVID-19-Patienten ohne Schlaganfall bzw. wurden häufiger in andere Einrichtungen weiterverlegt (adj. RR 2,1; p<0,0001). Von allen Schlaganfallpatienten (mit/ohne COVID-19) verstarben diejenigen mit COVID-19 häufiger oder wurden weiterverlegt und nicht nach Hause entlassen (adj. RR 1,2; p=0,03).

Die Autoren konstatieren, dass akute ischämische Schlaganfälle insgesamt bei COVID-19 selten waren, aber die Morbidität und Sterblichkeit deutlich erhöhten. Betroffen waren in der Regel Patienten mit kardiovaskulären Komorbiditäten bzw. Risikofaktoren.

Die große Bedeutung neurologischer Komorbiditäten für das Outcome bei COVID-19 hatte auch eine Studie der Universität Duisburg-Essen gezeigt: Über 80% der COVID-19-Patienten mit Schlaganfällen (oder anderen, schweren neurologischen Komplikationen) wiesen neurologische Vorerkrankungen auf (wir berichteten). Die Todesrate dieser Patienten lag bei 41,7%.

[1] Qureshi AI, Baskett WI, Huang WH et al. Acute Ischemic Stroke and COVID-19: An Analysis of 27 676 Patients. Stroke 2021 Mar;52(3):905-912. Epub 2021 Feb 4.

https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/STROKEAHA.120.031786

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