Aktuelle deutsche Daten: Bei fast 60% der SARS-CoV-2-infizierten Studienteilnehmer lag eine neurologische Beteiligung vor

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Eine aktuelle Arbeit der Universität Duisburg-Essen, zeigt, dass es bei 59,8% der hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten zu einer neurologischen Beteiligung bei COVID-19 kam. 23,5% der Betroffenen hatten schwere neurologische Begleiterkrankungen, die mit einer erhöhten Mortalität einhergingen, gut die Hälfte davon waren ischämische Schlaganfälle. Im Liquor war bei allen Patienten die SARS-CoV-2-PCR negativ.

In dieser prospektiven Erhebung wurden 102 SARS-CoV-2-positive Patientinnen und Patienten an der Universitätsklinik Essen, die zwischen April und Juli 2020 stationär behandelt wurden, klinisch-neurologischen untersucht. Darüber hinaus erfolgten eine Lumbalpunktion, eine zerebrale Bildgebung und eine Elektroenzephalografie.

Insgesamt wiesen 59,8% der Beteiligten eine neurologische Beteiligung auf. 24,5% litten unter unspezifischen neurologischen Symptomen wie allgemeine Schwäche, kognitive Funktionseinschränkungen oder Delir. Milde neurologische Symptome wie Geruchs- und Geschmacksstörungen berichteten nur 9,8% der Betroffenen, was zu den publizierten Daten passt, dass Einschränkungen dieser Sinneswahrnehmungen womöglich mit einem milderen COVID-19-Verlauf assoziiert sind (wir berichteten). Schwere Symptome wurden bei 23,5% der Betroffenen beobachtet und gingen mit einer hohen Mortalität einher. Bei der Hälfte handelte es sich dabei um zerebrale Ischämien. Hervorzuheben ist, dass 83,3% der Betroffenen mit schweren neurologischen Begleiterscheinungen neurologische Vorerkrankungen aufwiesen. Im Liquor cerebrospinalis war bei allen Patienten die SARS-CoV-2-PCR negativ. Auch der SARS-CoV-2-Antikörperquotient deutete nicht auf eine spezifische intrathekale Antikörper-Synthese. Bei der Hälfte der Patienten mit schweren neurologischen Begleiterkrankungen fand sich eine gestörte Blut-Hirn-Schranke und ein Trend zu höheren Interleukinspiegeln im Liquor. Bei 35% der Betroffenen wurden Antikörper gegen neuronale und gliale Epitope gefunden.

Ein im Januar publizierter systematischer Review von Liquorbefunden bei Covid-19 [2] hatte bereits gezeigt, dass ein Virusnachweis im Liquor sehr selten ist, und die Autoren schlussfolgerten, dass neurologische Symptome ganz überwiegend nicht auf eine direkte virale Neuroinvasion zurückzuführen sind.

[1] Michael Fleischer, Martin Köhrmann, Sebastian Dolff et al. Observational cohort study of neurological involvement among patients with SARSCoV-2 infection. Therapeutic Advances in Neurological Disorders 2021.

https://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/1756286421993701

[2] Ariane Lewis, Jennifer Frontera, Dimitris G Placantonakis et al. Cerebrospinal fluid in COVID-19: A systematic review of the literature. J Neurol Sci. 2021 Feb 15; 421: 117316.

https://www.jns-journal.com/article/S0022-510X(21)00009-5/fulltext

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