Aktuelle Auswertung findet keinen kausalen Zusammenhang zwischen COVID-19 und dem Guillain-Barré-Syndrom

©iStock/Jan-Otto

Verschiedene Kasuistiken und Fallserien haben das Auftreten eines Guillain-Barré-Syndroms (GBS) bei COVID-19-Patientinnen und –Patienten beschrieben. Laut einer aktuelle Auswertung [1] gibt es jedoch keine epidemiologischen oder genotypischen Hinweise für einen Kausalzusammenhang zwischen einer SARS-CoV-2-Infektion und dem Auftreten eines GBS. Die GBS-Inzidenz war von März bis Mai 2020 sogar geringer als im gleichen Zeitraum in den Jahren zuvor.

Im April wurde erstmals der Verdacht eines SARS-CoV-2-assoziierten Guillain-Barré-Syndroms (GBS) in „Lancet Neurology“ diskutiert. Es folgten gleich weitere Arbeiten in „The New England Journal of Medicine“ und „Neurology“, die ein GBS bzw. als GBS-Variante das Miller Fisher-Syndrom (MFS) bei insgesamt sieben COVID-19-Patienten beschrieben (wir berichteten).

Eine aktuelle Studie, die im Fachjournal „Brain“ publiziert wurde [1], untersuchte die Epidemiologie des GBS und verglich u.a. die GBS-Inzidenz in den Jahren 2016-2019 (erfasst in einer UK Datenbank zu Immunglobulinen) mit der in Pandemiephase. Wie sich zeigte, war die Inzidenz zwischen März und Mai 2020 im Vergleich zum gleichen Zeitraum in den Vorjahren deutlich zurückgegangen. Die Autoren begründen das mit dem Lockdown und der damit verbundenen selteneren Exposition mit typischen Erregern im Vorfeld eines GBS wie Campylobacter jejuni oder Zytomegalie-Viren.

Darüber hinaus nahm die Arbeitsgruppe auch einen Vergleich der genetischen und proteomischen Struktur von SARS-CoV-2 und dem menschlichen Genom und Proteom vor, um herauszufinden, ob SARS-CoV-2 wie z.B. Campylobacter jejuni humanähnliche Antigene enthält, die eine GBS-auslösende Autoimmunantwort induzieren können. Ein wurden keine signifikanten Ähnlichkeiten zwischen dem menschlichen und dem Virus-Genom und -Proteom gefunden.

Die Autoren fanden somit keine Hinweise auf einen Kausalzusammenhang zwischen SARS-CoV-2 und GBS, können einen solchen aber nach wie vor nicht 100%ig ausschließen.

[1] Keddie S et al. Epidemiological and cohort study finds no association between COVID-19 and Guillain-Barré syndrome. Brain. December 16, 2020.

https://academic.oup.com/brain/advance-article/doi/10.1093/brain/awaa444/6031904