Der Neurologie-Podcast

Der DGN-Podcast über neurologische Krankheiten, aktuelle Forschungsthemen und Karrieremöglichkeiten

Im offiziellen Neurologie-Podcast der DGN sprechen unter anderem die junge Kolleginnen und Kollegen der Jungen Neurologen mit Koryphäen der Neurologie über Krankheitsbilder, aktuelle Forschungsthemen und neueste Entwicklungen in der Medizin. Außerdem informiert der Podcast über neurologische Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten.

Folge 1: Die Prodromalphase von Parkinsonsyndromen - Im Gespräch mit Prof. Dr. Berg

Welche Symptome gehen Parkinsonsyndromen Jahrzehnte voraus? Wie gehe ich mit Patient*innen in dieser Phase um? Wie kann ich Parkinsonsyndrome unterscheiden? In der ersten Folge des Neurologie-Podcasts sprechen die Jungen Neurologen mit Frau Professor Dr. Berg über die Prodromalphase der Parkinsonsyndrome. Am Ende dieser Folge erwartet die Zuhörenden ein spannender oder denkwürdiger Fall, der dem Podcast-Gast besonders in Erinnerung geblieben ist.

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Hier finden Sie den Prodromal PD Calculator.

Die Shotwnotes

Prodromalsymptome

Hier finden Sie die Research Criteria für die Prodromalphase des Morbus Parkinson:

Berg D, Postuma RB, Adler CH, Bloem BR, Chan P, Dubois B, Gasser T, Goetz CG, Halliday G, Joseph L, Lang AE, Liepelt-Scarfone I, Litvan I, Marek K, Obeso J, Oertel W, Olanow CW, Poewe W, Stern M, Deuschl G. MDS research criteria for prodromal Parkinson’s disease. Mov Disord. 2015 Oct;30(12):1600-11. doi: 10.1002/mds.26431. PMID: 26474317.

Heinzel S, Berg D, Gasser T, Chen H, Yao C, Postuma RB; MDS Task Force on the Definition of Parkinson’s Disease. Update of the MDS research criteria for prodromal Parkinson’s disease. Mov Disord. 2019 Oct;34(10):1464-1470. doi: 10.1002/mds.27802. Epub 2019 Aug 14. PMID: 31412427.

Idiopathisches Parkinson Syndrom

Klinische Anweisungen zur Identifizierung der Kardinalsymptome, inklusive der Unterscheidung von atypischen Parkinson Syndromen, finden Sie in dieser Arbeit:

Postuma RB, Berg D, Stern M, Poewe W, Olanow CW, Oertel W, Obeso J, Marek K, Litvan I, Lang AE, Halliday G, Goetz CG, Gasser T, Dubois B, Chan P, Bloem BR, Adler CH, Deuschl G. MDS clinical diagnostic criteria for Parkinson’s disease. Mov Disord. 2015 Oct;30(12):1591-601. doi: 10.1002/mds.26424. PMID: 26474316.

REM-Schlaf-Verhaltensstörungen

In diesem sehr ausführlichen Report findet ihr unter anderem klinische Merkmale der REM-Schlaf-Verhaltensstörungen und Differentialdiagnosen im Allgemeinen, inklusive Bezug zu Patienten mit idiopathischem Parkinsonsyndrom:

Carlos H. Schenck, MD, Mark W. Mahowald, MD, REM Sleep Behavior Disorder: Clinical, Developmental, and Neuroscience Perspectives 16 Years After its Formal Identification in SLEEP, Sleep, Volume 25, Issue 2, January 2002, Pages 120–138, https://doi.org/10.1093/sleep/25.2.120

Dieses Review gibt Ihnen ebenfalls einen Überblick über REM-Schlaf-Verhaltensstörungen und setzt den Fokus auf das idiopathische Parkinsonsyndrom und andere Synucleinopathien:

St Louis EK, Boeve AR, Boeve BF. REM Sleep Behavior Disorder in Parkinson’s Disease and Other Synucleinopathies. Mov Disord. 2017 May;32(5):645-658. doi: 10.1002/mds.27018. PMID: 28513079.

Einen Überblick über Schlaf bei Patienten mit idiopathischem Parkinsonsyndrom, inklusive Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen, bietet dieses Review:

Stefani, A., Högl, B. Sleep in Parkinson’s disease. Neuropsychopharmacol. 45, 121–128 (2020). https://doi.org/10.1038/s41386-019-0448-y

Redaktionelle Leitung

Dr. med. Johannes Piel
E-Mail: johannes.piel@uksh.de
Klinik für Neurologie, UKSH, Campus Kiel
Arnold-Heller-Str. 3
Haus D, 24105 Kiel

Disclaimer

In Einklang mit der Bundesärztekammer bitten wir zu beachten, dass dieser Podcast keine ärztliche Beratung ersetzt. Wir können gemäß des Fernbehandlungsverbotes keine individuelle Beratung durchführen oder Empfehlungen aussprechen, von entsprechenden Anfragen bitten wir daher abzusehen. Patient*Innen werden gebeten, inhaltliche Fragen mit ihrer*ihrem Neurologin*Neurologen zu klären. Wir übernehmen keine Verantwortung für eine eventuelle Selbstoffenbarung sensibler Daten im Internet und bitten daher, keine persönlichen Daten oder Inhalte Ihrer Erkrankungen im Internet zu veröffentlichen.

Folge 2: Multiple Sklerose - Im Gespräch mit Prof. Christoph Heesen

Die Shotwnotes

Dr. Dieke Voget, Oberarzt der Klinik für Neurologie am Albertinen Krankenhaus Hamburg, spricht mit Prof. Christoph Heesen, Leiter der MS-Ambulanz am UKE Hamburg, über neue Entwicklungen und allgemeine praxisrelevante Fragen zum Thema Multiple Sklerose.

Erörtert werden folgende Fragen: Wie ist die neue Leitlinie entstanden? Welche Veränderungen in der Verordnungspraxis ergeben sich aus der Leitlinie? Nimmt die Prävalenz der MS wirklich zu? Gibt es gute Prädiktoren für den Verlauf der Erkrankung? Muss ein RIS behandelt werden? Gibt es neues zur Schubtherapie? Muss jeder Schub behandelt werden? Wann sollte eskaliert werden? Was bedeutet „wahrscheinlich hochaktiver Verlauf“? Wann kann eine Immuntherapie beendet werden? Welchen Einfluss hat der Lebensstil auf die MS? Gibt es Neues zur Ätiologie? Was muss jede/r angehende Neurologin/Neurologe in der Facharztprüfung zur MS wissen?

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Bei Fragen und Anregungen zum Neurologie-Podcast der DGN schreiben Sie uns gern eine E-Mail an podcast@dgn.org

Literatur

Hemmer B. et al., Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen, S2k-Leitlinie, 2021, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. (Online: www.dgn.org/leitlinien)

Folge 3: Neuropathischer Schmerz - Im Gespräch mit Prof. Dr. Ralf Baron

Warum ist neuropathischer Schmerz nicht gleich neuropathischem Schmerz? Wie kann er von funktionellen Syndromen unterschieden werden? Und welche Diagnostik und Therapie ist in welcher Reihenfolge sinnvoll? Hierüber sprechen wir in der aktuellen Folge des Neurologie-Podcasts – produziert von der DGN und den Jungen Neurologen – mit Herrn Professor Dr. Ralf Baron. Bleibt bis zum Ende am Ball, denn am Ende dieser Folge erwartet euch wieder ein spannender oder denkwürdiger Fall, der unserem Gast besonders in Erinnerung geblieben ist.

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Die Shownotes

Klassifikation nach Finnerup

Neuropathischer Schmerz betrifft einen relevanten Anteil der Bevölkerung und stellt nicht selten eine therapeutische Herausforderung dar. Voraussetzung für eine adäquate Therapie ist an erster Stelle die Identifizierung der neuropathischen Schmerzkomponente. Hierfür veröffentlichten Finnerup und Kollegen ein System, nachdem das Vorliegen einer neuropathischen Schmerzkomponente als „möglich“, „wahrscheinlich“ und „definitiv“ bewertet werden kann.

Möglicher neuropathischer Schmerz

Wie immer ist die Anamnese der erste Schritt. Sie liefert bereits erste Hinweise: Gibt es Anhalt auf eine Läsion des somatosensorischen Systems (z. B. Herpes Zoster, Schlaganfall, Trauma)? Ist der Schmerz in einem neuroanatomisch plausiblen Areal?

Falls diese Fragen mit „Ja“ beantwortet werden können, kann der Schmerz als „möglicherweise neuropathisch“ beschrieben werden. Es stehen hier auch gute Screening-Fragebögen zur Verfügung wie beispielsweise der Douleur Neuropathique en 4 questions (DN4) und painDETECT.

Wahrscheinlicher neuropatischer Schmerz

Diese Stufe erfordert eine klinische Untersuchung und die nähere Erfassung von Positiv- und Negativsymptomen (z. B. Allodynie und Hypästhesie), die für den neuropathischen Schmerz als typisch gelten. Insbesondere die Quantitative sensorische Testung (QST) hat sich hierbei bewährt. Es handelt sich dabei um eine psychophysikalische Methode, durch die der sensorische Phänotyp erhoben werden kann. Anlehnend daran werden aktuell Bedside-Protokolle entwickelt. Durch den kombinierten Einsatz von klinischer Untersuchung und Fragebögen kann Spontanschmerz, ebenfalls ein wichtiges Zeichen für eine neuropathische Komponente, erfasst werden.

Definitiver neuropatischer Schmerz

Hier spielen objektivierbare Untersuchungen wie Bildgebung, Biopsien und elektrophysiologische Methoden (insbesondere evozierte Potenziale) eine entscheidende Rolle.
Wichtig: Auch wenn das „definitive“ Level erreicht wird, werden hierdurch etwaige andere Schmerzformen nicht ausgeschlossen.

Cluster

Inzwischen ist bekannt, dass sich hinter der Klinik „Neuropathischer Schmerz“ verschiedene Mechanismen verbergen können – auch innerhalb einer Ätiologie. Die QST hat sich als eine geeignete Methode bewährt, diese Mechanismen zu untersuchen. Dabei konnten drei Cluster identifiziert werden (Cluster 1 „Sensory loss“ mit 42%, Cluster 2 „Thermal hyperalgesia“ mit 33% und Cluster 3 „Mechanical Hyperalgesia“ mit 24%). Die Stratifizierung von Patienten gelang auch durch den Fragebogen Neuropathic Pain Symptom Inventory (NPSI).

Somatosensorisches Profil

Sowohl in der klinischen Praxis als auch im Rahmen von pharmakologischen Studien ist die Berücksichtigung oben genannter Cluster wertvoll zur Identifizierung von Therapierespondern. Das Sensory Profiling durch QST wird durch die European Medicines Agency (EMA) in explorativen Studien zu neuropathischen Schmerzen empfohlen.

Literatur

Finnerup, Nanna B.a,*; Haroutounian, Simonb; Kamerman, Peterc; Baron, Ralfd; Bennett, David L.H.e; Bouhassira, Didierf,g; Cruccu, Giorgioh; Freeman, Royi; Hansson, Perj,k; Nurmikko, Turol; Raja, Srinivasa N.m; Rice, Andrew S.C.n,o; Serra, Jordip; Smith, Blair H.q; Treede, Rolf-Detlefr; Jensen, Troels S.a,sNeuropathic pain: an updated grading system for research and clinical practice, PAIN: August 2016 – Volume 157 – Issue 8 – p 1599-1606 doi: 10.1097/j.pain.0000000000000492

Freynhagen R, Baron R, Gockel U, Tölle TR. painDETECT: a new screening questionnaire to identify neuropathic components in patients with back pain. Curr Med Res Opin. 2006 Oct;22(10):1911-20. doi: 10.1185/030079906X132488. PMID: 17a022849.

Bouhassira D, Attal N, Alchaar H, Boureau F, Brochet B, Bruxelle J, Cunin G, Fermanian J, Ginies P, Grun-Overdyking A, Jafari-Schluep H, Lantéri-Minet M, Laurent B, Mick G, Serrie A, Valade D, Vicaut E. Comparison of pain syndromes associated with nervous or somatic lesions and development of a new neuropathic pain diagnostic questionnaire (DN4). 2005 Mar;114(1-2):29-36. doi: 10.1016/j.pain.2004.12.010. Epub 2005 Jan 26. PMID: 15733628.

Reimer M, Sachau J, Forstenpointner J, Baron R. Bedside testing for precision pain medicine. Curr Opin Support Palliat Care. 2021 Jun 1;15(2):116-124. doi: 10.1097/SPC.0000000000000556. PMID: 33905383

Baron R, Maier C, Attal N, Binder A, Bouhassira D, Cruccu G, Finnerup NB, Haanpää M, Hansson P, Hüllemann P, Jensen TS, Freynhagen R, Kennedy JD, Magerl W, Mainka T, Reimer M, Rice ASC, Segerdahl M, Serra J, Sindrup S, Sommer C, Tölle T, Vollert J, Treede RD; German Neuropathic Pain Research Network (DFNS), and the EUROPAIN, and NEUROPAIN consortia. Peripheral neuropathic pain: a mechanism-related organizing principle based on sensory profiles. 2017 Feb;158(2):261-272. doi: 10.1097/j.pain.0000000000000753. PMID: 27893485; PMCID: PMC5266425.

Bannister K, Sachau J, Baron R, Dickenson AH. Neuropathic pain: Mechanism-based therapeutics. Rev. Pharmacol. Toxicol. Annual Reviews Inc., 2020

Demant DT, Lund K, Vollert J, Maier C, Segerdahl M, Finnerup NB, Jensen TS, Sindrup SH. The effect of oxcarbazepine in peripheral neuropathic pain depends on pain phenotype: a randomised, double-blind, placebo-controlled phenotype-stratified study. 2014 Nov;155(11):2263-73. doi: 10.1016/j.pain.2014.08.014. Epub 2014 Aug 17. PMID: 25139589.

Bouhassira D, Branders S, Attal N, Fernandes AM, Demolle D, Barbour J, Ciampi de Andrade D, Pereira A. Stratification of patients based on the Neuropathic Pain Symptom Inventory: development and validation of a new algorithm. 2021 Apr 1;162(4):1038-1046. doi: 10.1097/j.pain.0000000000002130. PMID: 33136982.

https://dgn.org/leitlinien/ll-030-114-diagnose-und-nicht-interventionelle-therapie-neuropathischer-schmerzen-2019/

Redaktion und Shownotes

Dilara Kersebaum
E-Mail: dilara.kersebaum@uksh.de
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel

Redaktionsleitung

Dr. med. Johannes Piel
E-Mail: johannes.piel@uksh.de
Klinik für Neurologie
UKSH, Campus Kiel
Arnold-Heller-Str. 3, Haus D
24105 Kiel

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