Kapitel: Vaskuläre Erkrankungen

Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke – Teil 2: Lebensstil, arterielle Stenosen, andere Antithrombotika-Indikationen, Hormone, Diabetes mellitus, Schlafapnoe

Stand: 01. Februar 2022

Entwicklungsstufe: S2k
Online seit: 04. Juli 2022

Gültig bis: 31. Januar 2027

Zuletzt bearbeitet am: 04. Juli 2022

AWMF-Registernummer: 030/143

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Leitlinienreport (PDF)
Zitierhinweis
Olma M. C., Röther J., Grau A., Kurth T. et al., Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke – Teil 2, S2k-Leitlinie, 2022, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am TT.MM.JJJJ).

Koordination

Steuergruppe

  • Armin Grau, Ludwigshafen
  • Joachim Röther, Hamburg
  • Tobias Kurth, Berlin

Herausgeber

  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
  • Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)

Beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen

  • Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA)
  • Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
  • Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL®/Deutsche Hypertonie Gesellschaft
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
  • Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e. V. (DGGG)
  • Deutsche Gesellschaft für Pharmakologie (DGP)
  • Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGCH)
  • Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
  • Insulthilfe e. V.
  • Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
  • Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN)
  • Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH)
  • Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW)
  • Schweizerische Hirnschlaggesellschaft (SHG)
  • Österreichische Schlaganfall-Gesellschaft
  • Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)

Bitte beachten Sie: Die Langversion der Leitlinie finden Sie als PDF zum Download oben.

Vorbemerkung

Liebe Leserinnen und Leser der Leitlinie „Sekundärprävention des ischämischen Schlaganfalls“,

möglicherweise wundern Sie sich über die Aufteilung dieses Themas in zwei Teile, die doch inhaltlich kaum zu verstehen ist. Der Grund hierfür ist ein rein pragmatischer, erfordert doch die Vielfalt der abzubildenden Aspekte einen besonders großen Expertenkreis mit etlichen Arbeitsgruppen, was die Abstimmung untereinander erschwert. Nur aus diesem Grund haben die federführenden Fachgesellschaften sich dafür entschieden, die Leitlinie in zwei Themenfelder zu gliedern, die hoffentlich aber auch Ihre Suche vorzustrukturieren hilft:

LL 030/133 Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke – Teil 1: Plättchenhemmer, Vorhofflimmern, Hypercholesterinämie und Hypertonie

LL 030/143 – Teil 2: Lebensstil, arterielle Stenosen, andere Antithrombotika-Indikationen, Hormone, Diabetes mellitus, Schlafapnoe

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick

Der zweite Teil der Leitlinie Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke beschäftigt sich mit der Lebensstilmodifikation, der oralen Antikoagulation jenseits des Vorhofflimmerns, der Therapie von Dissektionen der hirnversorgenden Arterien, der Behandlung intrakranieller Gefäßstenosen, der Hormonersatztherapie, dem Diabetes mellitus bei Schlaganfallpatienten und dem obstruktiven Schlafapnoesyndrom.

  • Lebensstilmodifikation      
    Regelmäßige körperliche Aktivität, der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse oder eine mediterrane, kardioprotektive Diät reduzieren das Risiko eines Schlaganfallrezidivs und vaskulärer Folgeereignisse. Der Konsum von Fisch kann als Komponente einer mediterranen Diät empfohlen werden, wohingegen für den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln oder die routinemäßige Substitution von Vitaminen keine eindeutige Evidenz besteht. Der Salzkonsum sollte reduziert werden und bei übergewichtigen Patienten sollte durch die Erfassung des BMI ein Bewusstsein für das Körpergewicht geschaffen werden, der Nutzen einer Gewichtsreduktion ist jedoch ungewiss. Das Rauchen sollte vollständig eingestellt und der Alkoholkonsum reduziert werden.
  • Andere Indikationen für eine orale Antikoagulation (jenseits des Vorhofflimmerns)        
    Eine Sekundärprävention mit oralen Antikoagulanzien ist bei komplexen Plaques im Aortenbogen, bei Gerinnungsstörungen und bei embolischem Schlaganfall ohne kardiale Emboliequelle nicht wirksamer als eine Thrombozytenfunktionshemmung. Bei Schlaganfällen im Zusammenhang mit einer onkologischen Erkrankung und einer tumorinduzierten Hyperkoagulopathie sowie bei einer Herzinsuffizienz mit einer Ejektionsfraktion < 35 % kann eine OAK anstelle einer Thrombozytenfunktionshemmung erwogen werden.
  • Dissektionen der hirnversorgenden Arterien         
    OAK sind in der Behandlung eines ischämischen Insultes infolge einer Dissektion der extrakraniellen Gefäße einer Thrombozytenfunktionshemmung nicht überlegen, können als Einzelfallentscheidung nach pathophysiologischen Erwägungen jedoch eingesetzt werden.
  • Intrakranielle Stenosen     
    Bei Patienten mit symptomatischen intrakraniellen Stenosen sollten die Patienten ASS oder alternativ Clopidogrel erhalten. Bei akut symptomatischen höhergradigen intrakraniellen Stenosen soll eine doppelte Thrombozytenaggregationshemmung (ASS und Clopidogrel) für einen Zeitraum von 3 Monaten erfolgen. Ergänzend sollten langfristig eine aggressive Cholesterinsenkung mit einem LDL-Zielwert < 55 mg/dl und eine Senkung des systolischen Blutdrucks auf < 140 mmHg erfolgen. Die Stentimplantation kann in Einzelfällen erwogen werden, wenn trotz optimierter medikamentöser Therapie rezidivierende Symptome oder Hirninfarkte auftreten. Bei Vorliegen einer symptomatischen 50–99%igen Stenose der extrakraniellen Arteria vertebralis kann eine rekanalisierende Therapie erwogen werden.
  • Hormonersatztherapie       
    Für die Mehrzahl der hormonellen Präparationen besteht ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, sodass bei Patientinnen nach ischämischem Insult nicht hormonelle Behandlungsalternativen vorgezogen werden sollen.
  • Diabetes mellitus und ischämischer Schlaganfall  
    Sofern eine strenge metabolische Kontrolle grundsätzlich indiziert ist, sollte bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall oder TIA und Diabetes mellitus < 65 Jahre ein HbA1c-Zielwert ≤ 7,0 % (6,5 % bis 7 %) und bei Patienten > 65 Jahre ein HbA1c-Zielwert ≤ 7,5 % (6,5–7,5 %) angestrebt werden.
    Die Gabe von Pioglitazon kann nach ischämischem Schlaganfall in Erwägung gezogen werden; ein erhöhtes Frakturrisiko muss allerdings beachtet werden. Der Stellenwert von SGLT-2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptor-Agonisten kann in der Sekundärprävention des Schlaganfalls noch nicht ausreichend bewertet werden.
  • Obstruktives Schlafapnoesyndrom              
    Bei Vorliegen einer mittel- bis schwergradigen Schlafapnoe sollte eine nächtliche Überdruckbeatmung erfolgen.

Bitte beachten Sie: Die Langversion der Leitlinie finden Sie als PDF zum Download oben.oad oben.

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