Was ist Neurologie?

© iStock/Shidlovski

Die Neurologie beschäftigt sich mit der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen des Nervensystems. Mehr als 100 Milliarden Nervenzellen steuern unsere Bewegung, unsere Sprache, unser Denken und Fühlen. Die Spezialisten für Erkrankungen oder Störungen dieser komplexen Vorgänge sind die Neurologen. Sie behandeln Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson, Epilepsien und Multiple Sklerose, Migräne und Schlafstörungen. Sie erkennen, wenn ein Blutgerinsel im Gehirn einen Patienten zum medizinischen Notfall macht, ein Hirntumor die Ursache der Armlähmung ist oder der hämmernde Kopfschmerz eher auf den Spannungstyp oder eine Migräne hinweist.

Medizin mit Tradition ...

Neurologen behandeln jedes Jahr allein in Kliniken rund eine Million Patienten. Mehr als 6000 Neurologinnen und Neurologen arbeiten aktiv in ihrem erlernten Beruf. In der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sind rund 8000 Kollegen organisiert. Die DGN ist die größte neurologische Fachgesellschaft Europas. Die Neurologie hat eine lange Tradition in Deutschland und in vielen Disziplinen eine herausragende internationale Reputation.

... und viel Innovationspotenzial

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Neurologie große Fortschritte in der Krankenversorgung, in der Diagnose und der Therapie gemacht, etwa bei der Behandlung des Schlaganfalls oder der Multipen Sklerose. Moderne bildgebende Verfahren, die zunehmende Erforschung des Gehirns, die Integration der Neurologie in die Notfallmedizin sowie wirksame Medikamente gegen vormals kaum behandelbare Krankheiten haben die Neurologie von einer traditionell eher diagnostischen in eine aktive, handelnde und therapeutische Disziplin der Medizin verwandelt. Dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen: Die Bedeutung der Neurologie wird weiter rasch wachsen – weshalb sie auch als Schlüsselmedizin des 21. Jahrhunderts bezeichnet wird.

Die zwei großen Geschwister

Die Disziplin Neurologie ist auch eng mit der Psychiatrie verbunden, wenngleich für die Behandlung seelischer Krankheiten in erster Linie das Fachgebiet Psychiatrie zuständig ist. Grob gesagt beschäftigt sich die Neurologie mehr mit der Hardware, die Psychiatrie mehr mit der Software. Es gibt noch den Nervenarzt (Facharzt für Nervenheilkunde), für den es aber keine Weiterbildung mehr gibt, und der für beide Fachgebiete zuständig ist bzw. war. Heute haben sich zwei ausgewachsene Fachdisziplinen mit eigenem Profil herausgebildet und es gibt den Neurologen und den Psychiater. Beide Fachgebiete arbeiten aber nach wie vor sehr eng zusammen.

Ich bin Neurologe, weil …

Warum ist die Neurologie so faszinierend? Weil hier in den kommenden zehn Jahren die größten Fortschritte in Forschung und Therapie zu erwarten sind? Weil das Gehirn ein so faszinierendes Organ ist? Weil die Anamnese in der Neurologie immer ein spannendes Puzzle ist? Oder ganz einfach: Weil die Neurologie Spaß macht?

"Neurologen machen Karriere" – Prof. Dr. Martin Grond

Die Neurologie ist ein sehr vielfältiges Fachgebiet ist und bietet dabei ganz verschiedene Karrieremöglichkeiten. Ob man in die Forschung geht, an einer Akutklinik arbeitet, sich niederlässt oder Oberarzt in der Klinik wird – Wege gibt es viele und jede Wegkreuzung eröffnet ein neues Ziel. Wer sich lebenslang weiterentwickeln und am Ball bleiben möchte, für den ist die Neurologie das Richtige.

Prof. Dr. Martin Grond, Chef der Neurologie in Siegen mit große Leidenschaft für Stroke Units

"Neurologie ist lernbar und logisch" – Prof. Dr. med. Claudia Sommer

Das Medizinstudium habe ich aufgenommen, weil ich das Nervensystem verstehen und erforschen wollte. Im Studium habe ich mich definitiv für Neurologie entschieden, weil für mich nach wie vor das Nervensystem das faszinierendste Organ war und weil man in diesem Fach nicht nur mit Lernen sondern auch mit Logik weiterkommen konnte. Heute fasziniert mich an der Neurologie, dass wir ständig dazulernen, und dass wir viele Phänomene, die in meiner Studienzeit noch eine verschlossene ‚black box’ waren, bis auf die Ebene einzelner Moleküle und Rezeptoren erklären können.
Das Schöne ist, dass die Neurologie zudem nicht das akademische Diagnostikfach geblieben ist, das sie einmal war, sondern dass wir bei vielen Erkrankungen erfolgreich therapieren können.

Prof. Dr. med. Claudia Sommer, Neurologin in Würzburg und Spezialistin für Schmerztherapie

"Neurologie hält jung" – Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener

„In diesem Beruf muss ich jeden Tag mein Gehirn anstrengen. Auf diese Weise bleibe ich intellektuell jung.“

Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, weit gereister Chef der Neurologie am Uniklinikum in Essen, u.a. Spezialist für Migräne

"Neurologie ist erfolgreich" – Prof Dr. med. Heinz Reichmann

„Ich bin Neurologe, weil es sich um das spannendste klinische Fach handelt, in dem hoch komplexe Krankheitsbilder gesehen und zunehmend erfolgreich behandelt werden können.“

Prof Dr. med. Heinz Reichmann, Dresden, u.a. Spezialist für die Parkinson’sche Krankheit und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

"Neurologen heilen und helfen" – Dr. med. Haidar Dafsari

„Ich bin Neurologe, weil in der Neurologie beim ersten Kontakt zu dem Patienten bereits so viel passiert. Die Anamnese in der Neurologie ist ein Detektivspiel, bei dem man mit durchdachten Fragen bereits die heiße Spur entwickelt; in kaum einem anderen Fach wird die Kunst der Gesprächsführung so belohnt wie in der Neurologie. Nach der Diagnosestellung folgt eine weitere Stärke der Neurologie: Sie heilt, hilft und verbessert die Lebensqualität der Patienten. Die Annahme, dass die Neurologie eine „diagnostische Disziplin“ sei, ist veraltert! Von der tiefen Hirnstimulation bei der Parkinson’schen Erkrankung über die Lyse-Therapien beim Schlaganfall, den modernen Medikamenten bei den verschiedenen Typen des Kopfschmerzes bis hin zu den neuen Behandlungsmethoden bei der Multiplen Sklerose: Die Neurologie macht entscheidende Unterschiede im Leben der Patienten aus und ist eine der großen therapeutischen Fächer in der Medizin!“

Dr. med. Haidar Dafsari, forscht am Uniklinikum in Köln, schreibt Fachartikel und engagiert sich bei den Jungen Neurologe