Kopfschmerzen und Migräne

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Auf einen Blick

  • Etwa 10 Millionen Menschen in Deutschland leider unter einer Migräne.
  • Typische Leitsymptome sind beeinträchtigende Kopfschmerzen mit vegetativer Begleitsymptomatik wie Phono-und Photophobie, Übelkeit und Erbrechen.
  • Bei typischer klinischer Präsentation und unauffälligem klinischem Untersuchungsbefund ist keine apparative Diagnostik notwendig.
  • Die Behandlung besteht aus Akuttherapie und prophylaktischer Therapie, wobei es in beiden Bereichen medikamentöse und nichtmedikamentöse Ansätze gibt.
  • Bei der Diagnose Kopfschmerz ist immer an symptomatische Kopfschmerzformen zu denken, und diese sollten mittels gezielter Zusatzdiagnostik ausgeschlossen werden!

Was sind Kopfschmerzen und Migräne?

Kopfschmerzen sind eines der häufigsten Symptome, mit denen sich Patienten beim Hausarzt oder in der Notaufnahme vorstellen. Grundsätzlich unterscheidet man sekundäre Kopfschmerz von primären Kopfschmerzen. Beim sekundären Kopfschmerz ist der Schmerz Ausdruck einer anderen Erkrankung, zum Beispiel einer Sinusitis, einer Meningitis oder eines Hirntumors. Diagnose und Therapie richten sich hier nach der unterliegenden Erkrankung.  Bei einem primären Kopfschmerz dagegen ist der Schmerz die eigentliche Erkrankung und es findet sich keine weitere erklärende Ursache für den Kopfschmerz.

Der relevanteste primäre Kopfschmerz ist die Migräne. Bei der Migräne kommt es zu moderaten bis starken Kopfschmerzen, die von einer vegetativen Begleitsymptomatik in Form von Phonophobie, Photophobie, Übelkeit und Erbrechen begleitet sind, wobei nicht alle Symptome vorliegen müssen. Während der Attacken besteht ein Ruhebedürfnis. Der Schmerz verstärkt sich bei körperlicher Anstrengung.

Etwa 15 % der Migränepatienten leiden unter einer sogenannten Migräne mit Aura. Bei der Aura handelt es sich um neurologische Symptome, die vor den eigentlichen Kopfschmerzen auftreten und zwischen 15 Minuten und 1 Stunde anhalten. Die häufigste Migräneaura ist die sogenannte visuelle Aura, bei der es zu sich ausbreitenden Flimmerskotomen im Gesichtsfeld kommt. Seltener können Sprachstörungen oder auch Lähmungen im Rahmen der Aura auftreten.

Die zugrunde liegende Pathophysiologie der Migräne ist bislang nicht abschließend geklärt. Genetische Faktoren, hormonelle Komponenten und Triggerfaktoren wie Wetter und Stress scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Man unterscheidet eine episodische von einer chronischen Verlaufsform der Migräne, wobei man von einer chronischen Migräne spricht, wenn über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen pro Monat  auftreten, von denen 8  die Migränekriterien der IHS-Klassifikation erfüllen. Bei der chronischen Migräne finden sich häufig psychiatrische Komorbiditäten wie eine Depression oder Angsterkrankung. Insbesondere bei diesen Patienten muss an den Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch gedacht werden. Dieser entsteht durch die zu häufige Einnahme von Akutmedikation. Daher sollten Patienten immer darauf hingewiesen werden, dass Kopfschmerz-Akutmedikation nicht mehr als an zehn Tagen im Monat eingenommen werden darf.

Liegt eine typische Migräne vor, so ist bei unauffälligem klinischen Untersuchungsbefund keine weitere Diagnostik nötig. 

Die Therapie der Migräne setzt sich aus nicht-medikamentösen und medikamentösen Maßnahmen zusammen. Betroffene sollten regelmäßig Ausdauersport durchführen, Entspannungsverfahren anwenden sowie auf einen regelmäßigen Lebensrhythmus achten.

In der Akuttherapie können neben einfachen Analgetika und Antiemetika insbesondere bei schweren Attacken Triptane eingesetzt werden.

Zu den prophylaktischen Medikamenten, die zur Vorbeugung von Migräneattacken in der Intervalltherapie eingesetzt werden, zählen Betablocker, Flunarizin, Topiramat, sowie CGRP-(Rezeptor)-Antikörper als spezifisches Migräne-Medikament. Zukünftig werden noch weitere neue Medikamente das Therapiespektrum erweitern, was insofern auch notwendig ist, weil immer noch viele Patienten nicht ausreichend auf die vorhandenen Therapie ansprechen.

Autor / Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Dagny Holle-Lee
Westdeutsches Kopfschmerz-und Schwindelzentrum Essen
Klinik für Neurologie
Universitätsmedizin Essen
Hufelandstr. 55
45147 Essen
Dagny.holle-lee@uk-essen.de

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