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Auf einen Blick

Epidemiologie

ca. 1/100 000 Einwohner/Jahr

Leitsymptome

Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Fieber, Vigilanzstörungen

Diagnostik

Liquorpunktion

Therapie

Antibiose, ggf Dexamethason

Wichtig zu beachten

Absoluter Notfall, unmittelbares Handeln notwendig

Was ist eine bakterielle Meningitis?

Epidemiologie und Symptomatik

Die Häufigkeit einer bakteriellen Meningitis wird in Deutschland auf ca. 1 Patienten pro Jahr/100 000 Einwohner geschätzt. Die häufigsten Erreger sind Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis und Listeria monocytogenes.

Zu den typischen Symptomen zählen Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Fieber, und Vigilanzstörungen. Weitere neurologische Symptome können fokale neurologische Defizite und epileptische Anfälle sein. Bei Patienten mit einer Meningokokkenmenigitis findet sich häufig auch ein hämorrhagisches Exanthem einschließlich konfluierender petechaler Blutungen der Haut und Schleimhäute.  

Ätiopathogenese

Die akute bakterielle Meningitis wird am häufigsten durch die oben genannten Erreger verursacht. Dabei kommen u.a. eine Fortleitung einer Infektion aus benachbarten Strukturen, wie z. B. bei Otitis media, Sinusitis sowie eine hämatogene Aussaat in Frage.

Risikofaktoren

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen: hohes Alter, Immunsuppression, Diabetes mellitus, Alkoholismus, Zustand nach Splenektomie, sowie mögliche Eintrittspforten, wie z. B.  Liquorleck nach Trauma oder Infektionen in benachbarten Strukturen.

Verlauf

Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis muss die Diagnose notfallmäßig gestellt werden. Dabei sollte eine antibiotische Therapie so schnell wie möglich beginnen, ggf. auch VOR entsprechender Diagnostik mit Liquorpunktion, um Verzögerungen zu vermeiden. Ohne adäquate und frühzeitige Therapie versterben ca. 20% der Patienten mit akuter bakterieller Meningitis und etwa doppelt so viele leiden unter Folgeschäden. Die Prognose ist abhängig vom Erreger und Zeitpunkt des Therapiebeginns.

Diagnostik

Bei jedem Patienten muss eine zerebrale Schnittbildgebung erfolgen, z.B. ein cCT mit Knochenfenster bzw. MRT.  Die wichtigste und so schnell wie möglich durchzuführende diagnostische Untersuchung ist die Liquorpunktion. Der Liquor ist bei bakterieller Meningitis häufig eitrig-trüb. Es findet sich eine überwiegend granulozytäre Liquorpleozytose mit über 1000 Zellen pro µl, erhöhtem Liquoreiweiß sowie erhöhtem Laktat über 3,5 mmol/l. Der Erregernachweis gelingt mikroskopisch bzw. bakteriologisch mittels Kultur sowie durch Nachweis bakterieller Antigene.

Therapie

Die empirische Antibiotikagabe richtet sich nach dem möglichen Erregerspektrum. Bei der ambulant erworbenen akuten bakteriellen Meningitis wird eine Therapie mit Ceftriaxon 2 x 2g / Tag iv plus Ampicillin 6 x 2g /Tag iv empfohlen. Bei Verdacht auf Pneumokokkenmeningitis sollte zusätzlich eine Therapie mit Dexamethason 4 x 10mg pro/Tag i.v.  über 4 Tage erfolgen.

Wichtig zu beachten

Der Verdacht einer bakteriellen Meningitis stellt einen absoluten neurologischen Notfall dar! Schnelles Handeln und Einleiten einer antibiotischen Therapie, noch vor Diagnosesicherung hat höchste Priorität. Darüber hinaus muss die Meldepflicht beachtet werden (https://www.rki.de).

Differentialdiagnose

Eine wichtige Differentialdiagnose einer bakteriellen Meningitis ist eine durch Viren verursachte Erkrankung. Zu den häufigsten Erregern zählen Enteroviren (Coxsackie A, B und Echoviren), gefolgt von Mumpsvirus, Arboviren (Flavi-, Bunya- und Alpha-Viren), Herpesviren, HIV und dem lymphozytären Choriomeningitisvirus (LCMV). Die Differenzialdiagnose erfolgt mittels Liquorpunktion, wobei sich bei viraler Erkrankung zumeist eine milde lymphozytäre Pleozytose (zwischen 150-1000 pro µl), leicht erhöhtes Protein sowie allenfalls gering erhöhtes Laktat (bis max. 4 mmol/l) zeigt. Eine PCR-Diagnostik und im Verlauf der Nachweis der intrathekalen Synthese von spezifischen Antikörpern ermöglichen den Erregernachweis.

Literatur

https://dgn.org/leitlinien/030-089-ambulant-erworbene-bakterielle-eitrige-meningoenzephalitis-im-erwachsenenalter-2015/

https://dgn.org/leitlinien/ll-030-100-virale-meningoenzephalitis-2018/

Autor / Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Inga Zerr
Universitätsmedizin Göttingen
Klinik für Neurologie
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
ingazerr@med.uni-goettingen.de

 

 

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